Italienische Ziegelindustrie wird sich neu positionieren

Auf der Generalversammlung des italienischen Ziegelverbandes Andil am 7. Juli 2017 in Rom lag der Fokus auf den Themen Erdbebenschutz und Wiederaufbau Mittelitaliens mit keramischen Mauerziegeln.

Innovative Produkte für Erdbebengebiete

Im Zuge der Veranstaltung wurden innovative Systeme für Mauerwerk vorgestellt, die von einem europäischen Forschungsprojekt, INSYSME, entwickelt worden waren. Diese speziellen Engineering-Lösungen wurden so konzipiert, dass sie sowohl die Sicherheit der Gebäude in erdbebengefährdeten Gebieten erhöhen als auch verbesserte Eigenschaften im Hinblick auf gesundes Raumklima, Wärmedämmung, Lärmschutz, Feuchteschutz, Feuersicherheit und Langlebigkeit haben. An der anschließenden Diskussion nahmen Experten, Hauptakteure bei der Entwicklung des Plans zum Wiederaufbau Mittelitaliens sowie Vertreter aus dem Bausektor teil. Vor der Konferenz fand die Hauptversammlung des italienischen Industrieverbands Federazione Confindustria Ceramica e Laterizi statt. Höhepunkt war hier unter anderem ein Interview mit dem paraguayischen Architekten Solano Benitez, Preisträger des Goldenen Löwen der Biennale von Venedig und weltberühmt für die Verwendung von Tonziegeln in kreativer, innovativer und für jeden bezahlbarer Architektur.

Schwierige Jahre für italienische Ziegler

Auf der Andil-Jahrestagung wurde der bisherige Vorstand mit dem Präsidenten Di Carlantonio und den Mitgliedern Atila, Briziarelli, Cunial, Cuogo und Danesi einstimmig für weitere zwei Jahre bestätigt. Die Bilanz des Ziegelverbandes wies, wie im vergangenen Jahr auch, einen Fehlbetrag auf.

Die diesjährige Jahresversammlung stand auch unter dem Vorzeichen der geplanten Fusion des Ziegelverbandes Andil mit dem Keramikverband Confindustria Ceramica. Ziel der Fusion ist es, eine bessere Präsenz im politischen Geschehen zu haben. Andil zählt derzeit 68 Mitglieder.

Seit 1985 erfasst der italienische Ziegelverband die Produktionenzahlen systematisch. Eine Krise, wie der Bereich sie seit 2007 erlebt, war bisher nicht bekannt. »3 zeigt den Verlauf der Produktionsmengen der vergangenen Jahre und einen Ausblick bis 2020. Die erwarteten sehr geringen Steigerungen der Produktion sind durch die weiterhin politisch instabile und wirtschaftlich allgemein unzufriedenstellende Situation Italiens und im besonderen des Immobiliensektors geprägt. Die am Markt durchsetzbaren Preise für Ziegelprodukte sind nach wie vor unzureichend, um ein positives Gesamtergebnis zu erzielen. Die EBITDA sind in den meisten Fällen nicht negativ.

Seit 2007 wurden insgesamt 120 Betriebe stillgelegt. Derzeit liegt die mittlere berechnete Auslastung der 111 in Betrieb befindlichen Anlagen bei 35 %. Ein einheitliches Marktgeschehen ist nicht zu beobachten. Erfreulicherweise berichteten 44 verbandsangehörige Werke über eine Verbesserung der Auslastungen gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig teilen jedoch auch 21 Betriebe eine verminderte Auslastung um teilweise über 20% mit.

Die erhoffte Verbesserung der Marktsituation bleibt aus, der Markt wird sich, angesichts der eher mageren Wirtschaftsprognosen Italiens für die kommenden Jahre, auf dem derzeitigen niederen Niveau stabilisieren.

Dr. Fritz Moedinger, Giovanni D’Anna