Refra Prag informiert über aktuelle Themen der Feuerfestbranche

Vom 30. Mai bis 1. Juni trafen sich Vertreter der Feuerfestindustrie und verschiedener Forschungseinrichtungen in Prag, um sich über moderne Lösungen im Bereich feuerfester Materialien auszutauschen und neue Ansätze zu diskutieren. In bewährter Weise von der Tschechischen Keramischen Gesellschaft organisiert, fand die Veranstaltung nun bereits zum 19. Mal statt.

Michal Přibyl, Präsident der Tschechischen Keramischen Gesellschaft, begrüßte die rund 130 Teilnehmer bei einem „wirklich passenden, heißen Wetter“ zu einem informativen Programm mit mehr als 30 Vorträgen. Themen waren u.a. feuerfeste Materialien für die Bereiche Zement, Stahl und verschiedene Ofenanwendungen. In einem Teil der Vorträge wurden verschiedene Arten von Feuerfestmaterialien für unterschiedliche Anwendungen präsentiert. Die zahlreichen akademischen Vertreter aus Forschung und Entwicklung berichteten über ihre neuesten Erkenntnisse. Die Bergakademie Freiberg war mit mehreren Beiträgen vertreten und behandelte u.a. den Einfluss der Partikelgröße auf die Eigenschaften einaxialer gepresster Feuerfestmaterialien und die Korrosion von aluminiumbasierten FF-Materialien durch Kohle- und Biomasseaschen. Weitere Themen aus dem akademischen Bereich waren die Thermoschockbeständigkeit und der Einsatz verschiedener Untersuchungsmethoden.

Wie Forschung auch zur Entwicklung neuer Messtechnik beiträgt, zeigte Friedrich Raether, Fraunhofer-Zentrum für Hochtemperatur-Leichtbau HTL. Er stellte verschiedene Messmethoden für Hochtemperatureigenschaften keramischer Materialien, auch von Feuerfestmaterialien, vor. Die von Fraunhofer verwendeten thermooptischen Messmethoden sind Bestandteil einer vom Institut entwickelten TOM-Messgerätereihe, die ständig weiterentwickelt wird. Neben optischen Eigenschaften, wie Probenabmessungen und z.B. thermische Ausdehnungen beim Aufheizen/Abkühlen, können auch chemische Prozesse, wie Gasabspaltungen und Masseänderungen, untersucht werden. Für Ende 2017 ist ein neues Modul geplant, welches insbesondere auch in der Keramik eingesetzt werden kann. Mit diesem sollen mechanische Eigenschaften, wie z.B. Festigkeiten, in Abhängigkeit der Temperatur erfasst werden. Die aus den verschiedenen Modulen zusammensetzbaren Messeinrichtungen können je nach Anwendungsfall bis zu 1800 °C arbeiten.

Über eine auch für die Feuerfestindustrie interessante Entwicklung berichtete Frank Appel, Hans Lingl Anlagenbau und Verfahrenstechnik GmbH & Co. KG. Beim Einsatz porosierter Materialien hat deren Zersetzungsverhalten im Brand einen großen Einfluss, auch auf die Qualität der Erzeugnisse. Bei hohen Zugabemengen an organischen Bestandteilen kann der Brand im schlimmsten Fall unkontrollierbar werden. Lingl hat in einem Forschungsvorhaben die Porocontrol-Technologie entwickelt, mit der ein kontrollierter Ausbrand organischer Bestandteile gesichert werden kann. Das neue System findet in der Ziegelindustrie bereits Anwendung. Inwieweit es auch in anderen Industrien eingesetzt werden kann, muss für den jeweiligen Anwendungsfall geklärt werden.

Eckhard Rimpel, Institut für Ziegelforschung Essen e.V. (IZF), zeigte in seinem Keynote-Vortrag umfangreiche Möglichkeiten auf, wie Energie in bestehenden Werken eingespart werden kann, u.a. mit der Reduzierung von Abfallenergie und deren Nutzung. Möglichkeiten sind dabei u.a. der Einsatz von Umwälzern in der Aufheizzone, die Nutzung der feuchten Trocknerabluft und die Verminderung von Ausfahrverlusten. Das IZF plant in einem Forschungsvorhaben zu untersuchen, wie eine Erhöhung des Wärmetransportes in der Kühlzone umgesetzt werden kann. Pavol Šajgalik, Präsident der Europäischen Keramischen Gesellschaft (EcerS) und der Slowakischen Akademie der Wissenschaften, berichtete über die Arbeit der gemeinnützigen Organisation auf europäischer Ebene. 1987 gegründet, ist EcerS seit 2013 offiziell als AISBL registriert. Schwerpunkte der Arbeit sind Weiterbildung und Forschung auf dem Gebiet der Keramik, die Organisation von Konferenzen und die Veröffentlichung und Verbreitung technischer Fachartikel. Die neueste der vier Arbeitsgruppen ist „Junge Keramiker und Bildung“. Alle zwei Jahre organisiert EcerS eine Konferenz auf europäischer Ebene. Die letzte fand vom 9. bis 13. Juli im ungarischen Budapest statt, wo auch junge Nachwuchskräfte über ihre Forschungsergebnisse berichteten.

In einer Keynote beantwortete Stanislav Dvořák, PD Refractories, die Frage: „Was ist die Zukunft für Feuerfest?“. Fakt ist, dass China mit einem Anteil von rund 68 % (2014) den Feuerfest-Markt dominiert. Trends in der Branche seien u.a. eine Marktkonzentration, Dumpingpreise aufgrund von Überkapazitäten, die Fokussierung auf den Umweltschutz und der Einsatz erneuerbarer Energien sowie der Einsatz von Recyclingmaterial und alternativer Rohstoffe. Die Feuerfestbranche sollte sich darauf konzentrieren, nicht nur Produktlieferant, sondern auch Anbieter von technischen Lösungen und Know-how zu sein. In vielen Industrien wird von den Anwendern Fachpersonal abgebaut. Ohne die Kenntnis von Qualitätsstandards und des optimalen Einsatzes von feuerfesten Produkten wird so der Preis das bestimmende Argument für den Anwender. Die FF-Branche habe in der Vergangenheit enorme Entwicklungsleistungen erbracht, in der Glasindustrie wurde beispielsweise die Lebensdauer der Öfen um 60 bis 80 % gesteigert und durch Recycling ein umfangreicher Beitrag zum Umweltschutz geleistet. Wenn aber nur noch der Preis eine Rolle spielt, sieht Dvořák einen Rückgang an Innovation. Um diesem entgegenzustehen, ist eine engere Kooperation mit Rohstofflieferanten, Forschungseinrichtungen, FF-Herstellern und Anwendern notwendig. Während einer gemeinsamen Schiffstour bei strahlendem Sonnenschein auf der Moldau hatten die Teilnehmer am zweiten Konferenzabend dann die Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch untereinander.

Michal Přibyl lud alle Anwesenden zur 20. Refra Prag ein, die entweder 2019 oder 2020 stattfinden wird.

Czech Ceramic Society
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