Immobilienkrise – wie gehen wir damit um?

Es ist schon eine Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet eine Eigenheimblase Auslöser der derzeitigen Finanz- und Wirtschaftskrise war. Gerade wir in Deutschland werden nun von den Auswirkungen von Praktiken getroffen, die dia-metral zu den Erfahrungen hier im Lande stehen. Während in den USA, in Spanien, Irland, im Vereinigten Königreich und in vielen weiteren Ländern die Regierungen und das Finanzwesen alles taten, um ihren Bürgern den Traum vom Eigenheim zu ermöglichen, ist bei uns der Neubau schon fast verteufelt worden. Der unsägliche Ausspruch „Deutschland ist gebaut“ machte die Runde und jeder Neubau wird als Umweltfrevel, als weitere Versiegelung der Landschaft und unnötiger Ressourcenverbrauch gebrandmarkt. Es reicht doch, wenn man alte Hütten mit etwas Dämmstoff, ein paar besseren Fenstern und etwas Farbe aufmöbelt und damit energetisch verbessert.

Beide Extreme – der ungezügelte Neubau und das alleinige Fördern des Bestandes – führen nicht zum gewünschten Erfolg. Ziel einer nachhaltigen Wohnungsbaupolitik sollte es sein, einen guten Mix aus älteren soliden Gebäuden zu haben, aber auch neue, an die jetzigen Erfordernisse der Bevölkerung angepasste Wohnungen. Das unter anderem auch von der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerksbau in Auftrag gegebene Gutachten des Pestel-Instituts zeigt, dass gerade der Neubau in seinem jetzigen Umfang diesem Ziel nicht gerecht wird. Um eine Versorgung der älter werdenden Bevölkerung mit geeigneten Wohnungen zu ermöglichen, ist in Zukunft wieder eine jährliche Fertigstellungsrate von 350 000 bis 400 000 Neubauwohnungen erforderlich. Wie die neueste Studie von Euroconstruct, ein Zusammenschluss von europäischen Wirtschaftsforschungsinstituten, zeigt, läge Deutschland mit einer solchen Neubauaktivität noch nicht einmal im Mittelfeld der europäischen Staaten. Derzeit ist Deutschland abgeschlagen auf dem letzten Platz dieser Rangliste.

Was machen nun die anderen Länder anders als die Bundesrepublik? Die Antwort ist relativ einfach: Der Neubau wird staatlich gefördert, nicht behindert. Auch beispielsweise Frankreich und Italien haben bereits einen soliden Wohnungsbestand, auch in diesen Ländern altert die Bevölkerung. Auch dort werden zum Bauen teilweise Land und Ressourcen verbraucht. Aber offensichtlich wird dem Wert des eigenen Heims politisch ein höherer Respekt entgegengebracht und auch die Immobilienwirtschaft wird als Wirtschaftsfaktor höher eingestuft.

Wie es geht, zeigt die Abwrackprämie von alten Pkw. Gelder vom Staat haben in Deutschland beim Bürger schon immer eine fast zwanghafte Wirkung gezeigt. Selbst Autofahrer, die es sich finanziell eigentlich nicht leisten können, kaufen ein Neufahrzeug und lassen Autos verschrotten, die teilweise noch mehr wert sind als die Abwrackprämie. Der Staat bejammert die vielen Milliarden, die ihn diese Aktion kostet. Gleichzeitig nimmt er aber allein durch die Mehrwertsteuer mehr ein, als er ausgibt. Dazu kommen noch alle zusätzlichen Steuern und Sozialabgaben, die durch diese Verkäufe ausgelöst werden.

Es wird – leider! – in Deutschland keine Abwrackprämie für alte Wohnungen geben. Aber es mehren sich Stimmen in der Politik, die sehen, wie mit relativ geringen staatlichen Zuwendungen ganze Branchen neu durchstarten können. Der Wohnungsneubau wäre prädestiniert für eine solche Aktivität. Jeder Euro staatliche Mittel bleibt zum einen fast zu einhundert Prozent im Inland und löst mehrere zusätzliche Euro an Staatseinnahmen aus. Auch die angeblichen Mitnahmeeffekte, die der früheren Eigenheimzulage zugeschrieben wurden, haben sich spätestens mit den Einbrüchen der Fertigstellungszahlen in den letzten Jahren als Mär herausgestellt. Mit der Aktion „Impulse für den Wohnungsbau“ wollen alle am Wohnbau interessierten Verbände die Politik wachrütteln und die Weichen für eine bessere Zukunft stellen.

Martin Roth

Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Ziegelindustrie e. V., Bonn

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