Silke Sabath

Von der Pflicht zur Chance – Corporate Social Responsibility in der Ziegelindustrie

Bereits am 19. April 2017 trat das CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz (CSR-RUG) in Kraft. Mit seiner Veröffentlichung wurde die EU-Richtlinie, zur Offenlegung von nichtfinanziellen Informationen, in nationales Recht umgesetzt. Seitdem unterliegen börsennotierte Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern einer Berichtspflicht, die gesetzlich geregelt ist. Auch wenn sehr viele Werke der Ziegelindustrie kleine bis mittlere, familiengeführte Unternehmen sind, ist CSR ein Thema, das in naher Zukunft auch für sie interessant und relevant sein wird.

Nicht nur die nationalen und internationalen Gesetzgeber, sondern auch die Verbraucher von Konsumgütern, legen bei Kaufentscheidungen immer mehr Wert auf die sogenannten weichen Kriterien, wie Nachhaltigkeit des Produktes und soziale Verantwortung der Hersteller. Insbesondere dann, wenn es um größere Investitionen des täglichen Lebens geht. Umso mehr Relevanz bekommt dieses Thema, wenn es um die Gestaltung der eigenen vier Wände geht.

Perspektivwechsel – von der Pflicht zur Chance

Zunächst scheint die CSR-Berichterstattung nur eine zusätzliche Belastung zu sein, bei genauerer Betrachtung kann sie jedoch auch als Chance begriffen werden. Das Produkt Ziegel, sowie auch dessen Herstellung, erfüllen bereits sehr viele Kriterien, die für eine positive Darstellung im Rahmen eines CSR-Berichtes relevant sind. Daten, die bereits im Rahmen diverser Managementsysteme (Energie-, Umwelt-, oder Qualitätsmanagement) regelmäßig erhoben und ausgewertet werden, können mit überschaubarem Aufwand in den Bericht implementiert werden. Durch die Erstellung eines CSR-Berichtes bietet sich die Gelegenheit, die besondere Nachhaltigkeit des Ziegels, als Baumaterial der Zukunft, in den Fokus zu rücken.

Die Rohstoffressourcen entstammen regionalen Lagerstätten, die Produktion wird fortwährend technisch und energetisch optimiert, das gefertigte Produkt ist sehr langlebig und am Ende seiner Nutzungsdauer zu hundert Prozent recyclingfähig.

Es wird möglich darauf hinzuweisen, dass in der Ziegelindustrie bereits bei der Produktplanung eine immense Verantwortung wahrgenommen wird. Der Ziegel als solches trägt dazu bei, dass während seiner Nutzungsphase, die Umwelt geringstmöglich beeinträchtigt wird. Beispielsweise bewirkt ein hoher Dämmstandard einen niedrigen Energiebedarf des Gebäudes, die massive Bauweise bietet bestmöglichen Schallschutz, aber gleichzeitig auch Brandschutz. Und nicht zuletzt werden Ausdünstungen, sogenannte VOC (volatile organic compounds), durch die Wahl des Baumaterials Ziegel, bereits im Vorfeld ausgeschlossen.

 

CSR-Berichterstattung

Ziel der CSR – Richtlinie ist es insbesondere, neben der Ökonomie, die Transparenz der ökologischen und sozialen Aspekte von Unternehmen in der EU zu erhöhen. Dabei geht es um Informationen zu Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelangen sowie um die Achtung der Menschenrechte und die Bekämpfung von Korruption und Bestechung. Alle diese Aspekte werden bei der Berichterstattung berücksichtigt.

Die Gewichtung der Kriterien obliegt allein dem Berichterstatter. Es gibt keine Norm die Werte oder Parameter vorschreibt, die es zu erfüllen gilt. Die DIN ISO 26000, die einen international anerkannten Referenzrahmen bietet, gibt lediglich eine Orientierungshilfe zur Gestaltung eines Nachhaltigkeitsberichtes. Zertifizierbar ist sie nicht.

Die Freiheit in der Berichterstattung erlaubt es den Unternehmen, auf ihre individuellen Stärken zu fokussieren und dann, im zweiten Schritt, Ziele der Optimierung zu formulieren und Strategien zu deren Umsetzung zu entwickeln.

Kernthemen, die in dem Bericht erfasst werden sollten, sind:

faire Geschäftspraktiken, sowohl intern als auch global;

mitarbeiterorientierte Personalpolitik;

sparsamer Einsatz von natürlichen Ressourcen;

Schutz von Klima und Umwelt;

Verantwortung auch in der Lieferkette;

ernstgemeintes Engagement vor Ort.

Die folgenden sieben Schritte helfen, den Nachhaltigkeitsbericht so zu gliedern, dass er als Grundlage des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses dienen kann:

 

Schritt 1: Vision und Strategie festlegen

Wie bei bekannten Managementsystemen auch, werden das Leitbild und die Werte des Unternehmens in der Firmenpolitik formuliert. Sie enthält zumeist eine Verpflichtung zur Sicherstellung der Verfügbarkeit von Informationen, sowie der, zur Erreichung der strategischen und operativen Ziele notwendigen Ressourcen. Dies setzt die Möglichkeit zur freien Kommunikation und Dokumentation voraus, und das über alle Ebenen des Unternehmens hinweg.

 

Schritt 2: Rahmenbedingungen für den Bericht festlegen

Verantwortlichkeiten und Aktionspläne müssen festgelegt werden, oder wer macht was, wann und warum? Dabei sollten alle drei Berichtsbereiche, Ökonomie, Ökologie und Soziales, gleichberechtigt berücksichtigt werden.

 

Schritt 3: Identifizieren von wesentlichen Themen und Beteiligten

In der Diskussion mit relevanten Stakeholdern werden Zielkriterien erarbeitet und die wesentlichen Themen des Unternehmens herausgearbeitet und kommuniziert. Die systematische Analyse betrachtet die Produkte, aber auch die Dienstleistungen und bezieht dabei vor- und nachgelagerte Wertschöpfungsstufen in die Beurteilung mit ein.

 

Schritt 4: Daten und Informationen zu den wesentlichen Themen

Sind die ersten drei Schritte absolviert, kann eine umfangreiche Bestandsaufnahme durchgeführt werden. Anhand von relevanten Bewertungskriterien werden diejenigen Leistungskennzahlen erfasst, die einer fortwährenden Beurteilung des Unternehmens dienen können. Und hier ist die Ursache zu suchen, warum es keine einheitliche Norm gibt. Diese Beurteilungskriterien unterscheiden sich, je nach Branche, so enorm voneinander, dass sie daher nur individuell festgesetzt werden können.

 

Schritt 5: konkrete Ziele und Maßnahmen ableiten

Anhand der Erfassung und Beurteilung der erhobenen Daten und Fakten können konkrete Ziele gesteckt und Maßnahmen abgeleitet werden. Hierbei ist es hilfreich, zunächst herauszufinden, in welchen Bereichen des Unternehmens bereits nachhaltigkeitsrelevante Ziele vorhanden sind und wie sich die wirtschaftlichen Ziele des Unternehmens gegenüber den ökologischen und gesellschaftlichen Zielen verhalten.

 

Schritt 6: Bericht erstellen

Die Gestaltung des Berichtes sollte auf die gewünschte Zielgruppe ausgerichtet sein. Es werden konkrete Daten und Fakten, möglichst übersichtlich präsentiert, sodass der aktuelle Status Quo  kurz und prägnant dargestellt wird. Anhand der Evaluierung des Zielerreichungsgrades kann der Fortschritt gegenüber dem letzten Berichtszeitraum ebenso herausgearbeitet werden, wie der Ausblick auf die Ziele der Zukunft.

In einem Erstlingsbericht sollten auch Errungenschaften dargestellt werden, die im Unternehmen bereits selbstverständlich sind. Bezogen auf die Belegschaft kann dies beispielsweise bedeuten: Diversität, Gleichstellung von Männern und Frauen, auch unterschiedlicher Nationen, Einbindung von behinderten Mitmenschen, Förderung der Mitarbeiter durch berufliche Weiterbildung, aber auch Flexibilität der Arbeitszeiten, wo dies möglich ist.

 

Schritt 7: Nach dem Bericht ist vor dem Bericht

Nach der Veröffentlichung des Berichtes, beispielsweise in der Presse oder im Rahmen eines Mitarbeiter-Kunden-Events besteht die Möglichkeit, mit den relevanten Stakeholdern in den Dialog zu treten, um diese an der Weiterentwicklung des Unternehmens teilhaben zu lassen.

 

Vorteile, die den Aufwand rechtfertigen

Reputation - Die Reputation des Unternehmens wird insbesondere Kunden und Geschäftspartner überzeugen, die nachhaltiges Wirtschaften und Transparenz wertschätzen oder bereits aktiv einfordern. Eine positive Ausstrahlung erhöht die Kundenbindung und hilft, neue Kundengruppen zu erschließen. Die Wahrnehmung in der Außendarstellung wird auf das verantwortungsvolle Handeln des Unternehmens gelenkt, die Attraktivität, auch als Arbeitgeber, steigt. Vor dem Hintergrund des aktuellen Fachkräftemangels, ist dies ein nicht zu unterschätzender Aspekt.

Effizienz – Ein bereits viel beachteter Teilbereich der CSR Berichterstattung ist die Energie- und Ressourceneffizienz. Ein verantwortungsvoller Umgang mit sämtlichen Ressourcen reduziert die ökologischen Auswirkungen der Geschäftstätigkeit und nicht unerheblich auch die Kosten.

Risikominimierung – Die Risikominimierung stellt einen weiteren relevanten Aspekt dar. Dies wird konkret bezogen auf die Ressource Mitarbeiter. Denn je weniger Ausfalltage diese haben, desto höher die Effizienz des Unternehmens. So reduziert ein gut funktionierendes Arbeitssicherheits- und Gesundheitsmanagement die Kosten für unfallbedingte Produktionsausfälle und die Ausfalltage der Beschäftigten.

Innovation – Forschung und Entwicklung verschaffen Wettbewerbsvorteile, im Fall der Ziegelindustrie nicht nur gegenüber dem Mitwettbewerber aus der eigenen Branche, sondern insbesondere auch in Bezug auf Hersteller alternativer Baumaterialien. Produkt- und Prozessinnovationen fördern die Zukunftsfähigkeit der Unternehmen.

 

Fazit

Corporate Social Responsibility bedeutet, die gesellschaftliche Verantwortung des Unternehmens entlang der gesamten Lieferkette und während des gesamten Lebenszyklus des Produktes wahrzunehmen.

Nachhaltiges Wirtschaften und Handeln erzeugt einen Mehrwert für das Unternehmen, die Gesellschaft und die Umwelt. Durch einen bewussten Umgang mit Energie, Wasser, Material aber auch Mitarbeitern, werden Ressourcen geschont und zum Teil erhebliche Kosten eingespart.

Darüber hinaus werden zunehmend Produkte und Dienstleistungen mit dem Prädikat „nachhaltig“ von den Kunden bevorzugt, so entsteht für alle Beteiligten ein konkreter wirtschaftlicher Nutzen.

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