Liebe Leserinnen und Leser,
nach Jahren mit starkem Gegenwind lässt sich vorsichtig sagen: Die Branche kommt wieder in ruhigeres Fahrwasser. Nach drei Jahren anhaltender Wohnungsbaukrise zeigt sich in 2026 wieder eine Perspektive, die über reine Krisenbewältigung hinausgeht. Baugenehmigungen steigen, Investoren und Bauherren schöpfen neue Zuversicht. Gleichzeitig ist das baupolitische New Normal gesellschaftlich angekommen: Die Niedrigzinsphase kehrt nicht mehr zurück, gebaut werden muss dennoch.
In Deutschland zeigen indes politische Initiativen, dass zentrale Hebel erkannt wurden. Der „Bauturbo“ soll Genehmigungen beschleunigen und Bauämter entlasten, auch wenn sich seine Wirkung in der Praxis erst noch erweisen muss. Die EH55-Förderung setzt mit 800 Millionen Euro konkrete Impulse, um genehmigte Projekte kurzfristig in die Umsetzung zu bringen. Beim Gebäudetyp E liegt inzwischen immerhin ein Eckpunktepapier vor. Entscheidend ist, dass diese Maßnahmen konsequent weiterverfolgt und verlässlich flankiert werden, damit aus dem vorsichtigen Aufschwung ein tragfähiger Neustart wird. Stabile Rahmenbedingungen für die Energietransformation sind dafür unerlässlich.
Parallel zeigt die Ziegelindustrie ihre Innovationskraft. Robotergestützte Mauersysteme, digitale Prüfprozesse, seriell einsetzbare Planziegel sowie modular vorgefertigte Wand- und Deckenelemente steigern Effizienz, Qualität und Geschwindigkeit. Optimierte Lochbilder, Dämmstofffüllungen und Solardachziegel ermöglichen energetische Standards von GEG bis Passivhaus. Im Bestand liegen zusätzliche Potenziale, etwa durch Dach- und Fassadensanierungen in Kombination mit Photovoltaik oder Dämmziegeln.
Auf europäischer Ebene geht die Keramikindustrie im BREF-Prozess voran. Zugleich wurden weite Teile der Industriepolitik auf die europäische Ebene verlagert. Dem tragen wir Rechnung, indem wir regelmäßig den Austausch mit europäischen Entscheidern suchen, eng abgestimmt mit unseren Dachverbänden Tiles and Bricks Europe und Cerame-Unie. Eine kontinuierliche Rückkopplung zwischen Regulierung und industrieller Praxis und den Grenzen der objektiven Machbarkeit ist dabei unerlässlich.
2026 kann damit einen Wendepunkt markieren. Die Branche gewinnt wieder Orientierung, wichtige politische Weichen sind gestellt. Jetzt gilt es, Kurs zu halten: Bürokratie weiter abbauen, Förderkulissen verstetigen und Digitalisierung vorantreiben. Die Ziegelindustrie wird diesen Weg aktiv mitgestalten – mit einem Baustoff, der sich weiterentwickelt und Antworten auf neue Herausforderungen gibt.
Ich wünsche Ihnen einen zuversichtlichen Start in das Jahr 2026.
Ihr
Attila Gerhäuser
Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Ziegelindustrie e. V.
