Dipl.-Ing. Anett Hümmer

Die nordamerikanische Ziegelindustrie traf sich beim
65. Clemson Brick Forum

Rund 400 Teilnehmer trafen sich am 1. und 2. Oktober zur Jubiläumsveranstaltung des Clemson Brick Forum im „Anderson (SC) Sports and Entertainment Center”. Dieses Jahr gab es einige Neuerungen im Programm. Der Schwerpunkt des Fachprogrammes lag auf fertigungsnahen Themen.

1 Neues rund um das Forum

Der Direktor des National Brick Research Center und Forumsleiter John Sanders begrüßte die Teilnehmer und informierte über einige Neuerungen. Das Fachprogramm erstreckte sich dieses Mal über den gesamten Dienstag und Mittwoch und schloss am Mittwochabend mit dem berühmten Steak-Cookout. So hatten alle Teilnehmer die Möglichkeit, neben der fachlichen Weiterbildung auch den Kontakt zu den ausstellenden Firmen zu vertiefen. Die Aussteller hatten zudem wieder die Chance, interessierten Zieglern in einer kleiner Runde im Rahmen eines Schulungsprogrammes ihr Produktprogramm näherzubringen. Diese Möglichkeiten nutzten insgesamt acht Aussteller. Den Zieglern bot sich hier die Chance, Fragen zu stellen und Probleme in einem kleineren Kreis zu besprechen. Diese „Vendor Success Sessions“ wurden gut angenommen.

John Sanders gab den Teilnehmer auch ein Update zu „WikiBrick“, einer technischen Quelle, die für alle NBRC-Mitglieder online verfügbar ist. In einem Projekt mit Studenten der Clemson-Universität wird an einer App-Version dazu gearbeitet.

Mit „Attendify“ präsentierte John Sanders die Event-App zum Forum. Diese kostenfreie und leicht bedienbare App bot dabei nicht nur Informationen, sondern machte auch Spaß. Auf die Teilnehmer warteten verschiedene Preise, die sie beim Interagieren gewinnen konnten. Ziel war es einerseits, den Austausch, insbesondere auch von Fachwissen, unter den Teilnehmern zu fördern. Aber auch der „Fun“-Faktor kam nicht zu kurz. Die beste Antwort auf eine gestellte Fachfrage erhielt ebenso einen Preis wie das beste Selfie vom Cookout.

2 Fachprogramm

Das Fachprogramm spannte einen weiten Bogen von der Rohstoffaufbereitung über die Extrusion bis hin zum Trocknen und Brennen. Zu den Schwerpunkten gehörten auch innovative Fertigungstechnologien wie die Riemchenproduktion, 3D- und Digitaldruck. Weitere Vorträge behandelten u. a. thermische Eigenschaften, Feuerwiderstandsfähigkeit und Schlagfestigkeit von Mauerwerkswandsystemen.

Clement Cadier, Direxa, eröffnete das technische Programm am Dienstag mit einem Grundlagenvortrag, der sich von der Toncharakterisierung bis hin zum fertigen Produkt zog. Cadier zeigte dabei die Unterschiede in den Ziegelprodukten weltweit auf. Er erläuterte den Einsatzbereich von z.B. Wärmedämmblöcken in Europa und Hohlblöcken in Saudi-Arabien, die Verwendung von Deckenziegeln in Südamerika, den Einsatz von Pflasterklinkern in Europa und den USA bis hin zu schallgedämmten und gegen die Sonne schützenden Produkten.

Die ersten Vorträge befassten sich mit der Grubenerkundung, Rohstoffen und der idealen Tonmischung. Über die Rohmaterialerkundung und ihre effektive Kommunikation sprach beispielsweise Tommy Scalf, General Shale, der Ergebnisse von Google Earth mit denen verglich, die mit dem System GIS (Geographic Information System) gewonnen werden. Mit GIS können geografische Daten erfasst, gespeichert, bearbeitet, analysiert, gemanagt und präsentiert werden. Beide Systeme haben ihre Vorteile, es sollte aber geprüft werden, welche Methode bei den vorherrschenden Bedingungen (vertikale, horizontale oder abkippende Strukturen) am besten geeignet ist.

Ramesh Lakshmann, Meridian Brick, erläuterte, wie man schnell Calciumcarbonat im Rohstoff bestimmen kann und gab einen Überblick über verschiedene Analysenmethoden, angefangen von preiswerten bis hin zur teuren Röntgenfluoreszenzanalyse.

Mario Giffuni, Pinehall Brick, betonte in seinem Vortrag zum Lean Manufacturing, dass dafür ein kultureller Wandel im Unternehmen notwendig sei. Er informierte über die verschiedenen Werkzeuge, wie z. B. 5 S. Anhand seiner eigenen Unternehmensgeschichte erläuterte er den Einsatz und Nutzen von Lean Manufacturing. Für den Bereich Sicherheit erläuterte er die Maßnahmen wie die Erstellung eines Sicherheits-Dashbordes, die Reduzierung des Lärmpegels, die Optimierung der Beleuchtung, eine Verringerung von Staubemissionen u. a.

Der digitale Zwilling und seine Bedeutung im Anlagenbau in der Ziegelindustrie war Thema von Markus Martl, Lingl. Ziel sei es, die Komplexität beherrschbar zu machen. Grundlage der von Lingl entwickelten Lösung ist das Lingl-Visualisierungssystem MBVL, von dem bereits rund 800 installiert wurden. Der digitale Zwilling ermöglicht Unterstützung z. B. bei der Wartung, Ersatzteilbestellung und einigem mehr. Das System bietet dem Kunden mehrere Vorteile, u. a. wird der Maschinenstatus im Bediensystem in Real-Zeit angezeigt und enthält zusätzliche Informationen.

Dem Umgang mit Mitarbeitern widmete sich der Vortrag von Don Vestal, Meridian Brick. Sein einfacher Tipp lautet: Halte es einfach – einfaches Vokabular, leicht zu verstehende Aufgaben und Ziele, nur notwendige Erklärungen geben – für alle verständlich. Er empfahl Führungskräften, täglich eine strategische Liste der Standardziele herauszugeben. Dabei sollte der Fokus auf den Prozess gelegt werden. Erfolgreich ist eine Führung dann, wenn jedem Mitarbeiter die Strategie bekannt ist und jeder weiß, welchen Beitrag er zum Erreichen der Ziele leisten muss.

Nate Huygen, National Brick Research Center, stellte in seinem Vortrag fest, dass Strahlungsbarrieren die thermische Leistung von Ziegelschalen beeinflussen können, ohne dass die Wanddicke erhöht werden muss, da diese in der Luftschicht zwischen Wand und Verblendung eingebracht werden können.

In einem emotionalen Vortrag begeisterte sich anschließend Bryan Light, Brick Industry Association (BIA), für die Schönheit des Ziegels und demonstrierte das an einem imposanten Ziegelbau, der das Produkt in allen Facetten vereint.

Nach einem Vortrag von Chip Clark, BIA, zum Thema EPDs endete der erste Vortragstag mit Brian Trimbles, International Masonry Institute, Statement zur Frage: Sind Roboter zum Ziegellegen Freunde oder Feinde? Der Einsatz von Robotern im Mauerwerksbau kann durchaus dazu beitragen, dass Ziegelmauerwerk noch konkurrenzfähiger wird. Die Ziegelindustrie sollte dabei auch über neue Formate und Größen nachdenken. Dabei sollten aber auch immer die Verarbeiter eingebunden und geschult werden.

Der zweite Vortragstag startete mit Vorträgen zum 3D-Druck und dem Digitaldruck. Dr. Fritz Mödinger, Smalticeram Unicer SpA, informierte in einem Übersichtsvortrag über die Grundlagen des Digitaldrucks. Er definierte die Vorteile, wie größere Bandbreite an Oberflächengestaltungsmöglichkeiten – ohne an der Masse etwas zu ändern, geringere Kosten, eine flexible Produktion, Reproduzierbarkeit – auch nach vielen Jahren, Herstellung kleiner Stückzahlen. Damit lassen sich neue Kunden und Märkte erschließen. Anpassungen im Produktionsprozess können beim Einsatz des Digitaldrucks aber notwendig werden.

Über glasierte Ziegel referierte Charles Savage, The Belden Brick Company. Das Ziegelwerk hat in Werk 8 investiert, um dort glasierte Ziegel im Einmal-Brand und damit kostengünstiger herstellen zu können. Belden hat Erfahrungen beim Brand von glasierten Ziegeln, die aber vorher in einem Zweifachbrand im Shuttleofen gebrannt wurden. In Werk 8 werden nun trockene Ziegel glasiert, in einem Kammertrockner getrocknet und 100 000 Ziegel/Tag glasiert und im Tunnelofen gebrannt, es können alle Formate glasiert werden. Mit einer breiten Farbenvielfalt, beruhend auf ausgewählten Grundfarben, können maßgeschneiderte Kundenlösungen zur Verfügung gestellt werden.

In einem sehr praxisorientierten Vortrag berichtete Claudia Istel, Zschimmer & Schwarz Inc., über Chancen und Herausforderungen des Digitaldrucks in der Ziegelindustrie. Sie erläuterte den Einsatz von Truecolor-Tinten, die druckfertig bezogen werden können. Auch wenn bis zu 12 verschiedene Tinten eingesetzt werden können, kann bereits mit nur vier Farben eine große Produktvielfalt erreicht werden. Die Anzahl der Druckköpfe bestimmt dabei die Kosten für das Drucksystem. Istel erläuterte an einem im Ziegelwerk umgesetzten Projekt die Parameter des Digitaldrucks. Es können Druckgeschwindigkeiten zwischen 5 und 24 m/min realisiert werden, bei einer Druckauflösung von 360 dpi. Dabei können sowohl Köpfe als auch Läufer gedruckt werden. Die Druckanlage ist verfahrbar und in 10 bis 20 min in bzw. aus der Linie zu fahren.

Marc Bradburry, Triangle Brick, stellte dann aus Sicht des Zieglers ein Projekt zum 3D-Druck vor. Im Ziegelwerk wurden z. B. Rollen für die Oberflächengestaltung von Ziegeln im 3D-Verfahren gedruckt. Mit dem Verfahren können eigene Ideen umgesetzt werden, was Exklusivität garantiert. Man ist unabhängig von Lieferzeiten und kann preiswert selbst drucken. Bradburry zeigte sich begeistert: „Es ist Zeit, die Welt zu verändern!“.

Die weiteren Vorträge befassten sich u. a. mit den technologischen Schritten Setzen, Trocknen und Brennen. Den Abschluss der Fachvorträge bildeten wieder Umweltthemen.

3 Gedankenaustausch

Der Dienstagabend wurde zum Erfahrungsaustausch und ersten Gesprächen mit den mehr als 40 Lieferanten genutzt, die in der begleitenden Ausstellung ihr Angebot präsentierten.

Das traditionelle Steak-Cookout stand in diesem Jahr erst am Mittwochabend auf dem Programm. Zum Abschluss des Forums bot sich hier noch einmal allen Teilnehmern die Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen. An mehreren riesigen Grills gaben alle ihr Bestes und grillten bei interessanten Diskussionen ihr Lieblingssteak. Anschließend informierten dann die Lieferanten in der Ausstellungshalle über ihr Angebot.

Das nächste Clemson Brick Forum findet vom 6. bis 7. Oktober 2020 statt.

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