Update von Keller HCW
Auf der CERAMITEC hat sich das traditionsreiche Unternehmen Keller HCW nach dem erfolgreichen Abschluss der Restrukturierung wieder präsentiert. Die ZI-Redaktion hat den Stand des Ibbenbürener Maschinenbauers besucht und mit dem CEO Andrea Pasquali gesprochen. Das Ergebnis ist das folgende Interview, in dem Sie erfahren, wie das Unternehmen auf der Grundlage eines soliden Fundaments und einer klaren strategischen Ausrichtung das nächste Kapitel seiner Entwicklung gestaltet.
Wie sehen die Pläne von Keller für die nächste Phase nach Abschluss des Restrukturierungsprozesses aus?
Andrea Pasquali (AP): Der Abschluss der Umstrukturierung bedeutet für uns den Abschluss einer Phase sorgfältiger Vorbereitung und den Beginn einer Phase disziplinierter Umsetzung. Dieser Prozess hat Keller fokussierter und agiler gemacht und besser auf die tatsächliche Entwicklung der Ziegel- und Keramikindustrie abgestimmt. Wir haben unser nächstes Kapitel auf drei Säulen aufgebaut, die widerspiegeln, was uns unsere Kunden täglich sagen: erstens die Erweiterung unseres Technologieangebots in den Bereichen Prozessoptimierung, energieeffiziente Lösungen und Automatisierung; zweitens den Ausbau unseres Service- und Nachrüstungsgeschäfts, wo wir über eine hervorragende Basis und jahrzehntelanges Prozesswissen verfügen; und drittens die noch aktivere Unterstützung unserer Kunden auf ihrem Weg zur Modernisierung und Dekarbonisierung. Wir gehen diese nächste Phase mit einer klaren Vorstellung an – darüber, wer wir sind, was wir am besten können und mit welchen Partnern wir wachsen wollen.
Wie haben sich Umsatz und Marktposition von Keller in den letzten sechs Monaten entwickelt? Trägt die Fokussierung auf Wachstumsmärkte erste Früchte?
AP: Wir sehen ermutigende Signale, und – was ebenso wichtig ist – wir sehen sie über alle Regionen und Kundensegmente hinweg, was für uns ein gutes Zeichen dafür ist, dass die strategische Ausrichtung strukturell solide ist und nicht von einem einzelnen Markt oder einem einzelnen Projekt bestimmt wird. In den vergangenen Monaten haben Kundengespräche und Projektaktivitäten eindeutig bestätigt, dass unsere Fokussierung auf ausgewählte Wachstumsbereiche richtig ist. Kunden suchen zunehmend nach Partnern, die drei Dinge gleichzeitig vereinen: fundiertes Prozess-Know-how, die praktische Fähigkeit, Anlagen im laufenden Betrieb zu modernisieren, sowie glaubwürdige, technisch fundierte Lösungen zur Dekarbonisierung. Diese Kombination ist seltener, als man meinen könnte, und genau hier gewinnt die Positionierung von Keller zunehmend an Bedeutung. Der Auftragsbestand entwickelt sich im Einklang mit unserem internen Plan, der Dialog mit unseren Kunden ist aktiv und konstruktiv, und die strategische Ausrichtung gewinnt deutlich an Fahrt.
Wie werden die Angebote von Keller zur Elektrifizierung von Öfen, zur Dekarbonisierung bestehender Anlagen und zur Entwicklung energieeffizienter Prozesstechnologien von den Kunden aufgenommen?
AP: Diese Themen stehen mittlerweile fest im Mittelpunkt jedes Kundengesprächs, das wir führen. Die Hersteller stehen unter dem gleichzeitigen Druck, den Energieverbrauch zu senken, Emissionen zu reduzieren, sich auf zukünftige Energieszenarien vorzubereiten und die Wirtschaftlichkeit von Anlagen zu sichern, die noch viele produktive Jahre vor sich haben. Wir beobachten ein starkes, ausgereiftes Interesse an praktischen, schrittweisen Lösungen: Verbesserung der Prozesseffizienz, Optimierung bestehender Anlagen, Integration intelligenterer Mess- und Steuerungssysteme sowie die Bewertung alternativer Energiekonzepte in einer Abfolge, die zum jeweiligen Standort passt. In diesem Zusammenhang ist die Elektrifizierung ein Schlüsselthema, doch der erfahrene Betreiber versteht, dass sie am besten als ein Element einer umfassenderen, standortspezifischen Transformationsstrategie funktioniert. Genau diese Gespräche sind unsere Verfahrenstechniker in der Lage zu führen – und darauf haben wir uns durch jahrelange gezielte Forschung und Entwicklung vorbereitet, einschließlich öffentlich mitfinanzierter Entwicklungsarbeiten zur elektrifizierten Heißlufterzeugung für den Brennprozess. Die Technologie ist kein Zukunftstraum mehr; sie wird bereits umgesetzt.
Was haben die Kunden auf der CERAMITEC am häufigsten nachgefragt?
AP: Die wichtigsten Themen waren Energieeffizienz, Dekarbonisierung, Modernisierung bestehender Anlagen, Automatisierung und langfristiger Service-Support – und hinter diesen Themen stand fast ausnahmslos der Wunsch nach einem zuverlässigen Partner, der Kontinuität, interne Stabilität und die nötige technische Kompetenz mitbringt, um diese Lösungen umzusetzen. Kunden wünschen sich Lösungen, die technisch fundiert, wirtschaftlich realistisch und an ihre Produktionsumgebung anpassbar sind. Dies deckt sich sehr genau mit den diesjährigen Schwerpunkten der CERAMITEC – Nachhaltigkeit, Energiewende und „operative“ künstliche Intelligenz – sowie mit Kellers eigener Kombination aus Prozess-Know-how und praktischer Umsetzungsfähigkeit. Wir haben einen klaren Blick darauf, wo die grobkeramische Industrie heute steht: Sie steht vor einem anspruchsvollen Wandel, genießt aber auch erneute strategische Aufmerksamkeit, da der Bausektor nach langlebigen Materialien mit geringem CO2-Fußabdruck sucht. Darüber hinaus wurden die Bedarfe auf der CERAMITEC durch ein wachsendes und sehr konkretes Interesse an Lösungen für aktivierten Ton ergänzt – einem Technologiebereich, den wir mit der Marke Rieter Morando als gezielten Teil unserer umfassenderen Dekarbonisierungsaktivitäten abdecken. Keller geht in diese nächste Phase mit einer fokussierten Organisation, einem gestärkten technologischen Kern und dem klaren Ziel, unseren Kunden dabei zu helfen, ihre Leistung heute zu verbessern und gleichzeitig ihre Anlagen auf eine kohlenstoffärmere Zukunft vorzubereiten. Wir glauben, dass unsere Rolle auf diesem Weg relevanter ist denn je.
