Wienerberger mit starkem Gewinnsprung im Jahr 2025 bei fast stagnierendem Gesamtumsatz
Der Baustoffkonzern Wienerberger hat laut Pressemitteilung vom 24. Februar 2026 im Geschäftsjahr 2025 den Umsatz geringfügig auf 4,6 Mrd. Euro (2024: 4,5 Mrd. Euro) steigern können. Auch das operative EBITDA von 754 Mio. Euro (2024: 760 Mio. Euro) sowie die EBIDTA-Marge von 16,5 Prozent (2024: 16,8 Prozent) blieben weitgehend unverändert. Wienerberger betont, dass damit die prognostizierten Ergebnisziele erreicht worden sind.
Trotz dieser verhaltenen Geschäftsentwicklung hat der Konzern den Gewinn nach Steuern auf 168 Mio. Euro (2024: 84 Mio. Euro) verdoppelt. Der Free Cashflow erreichte den zweithöchsten Wert in der Unternehmensgeschichte mit 474 Mio. Euro, verglichen mit 417 Mio. Euro im Jahr davor. Der Gewinn pro Aktie stieg deutlich von 0,72 Euro im Jahr 2024 auf 1,52 Euro im Jahr 2025.
Wienerbergers Weg zur Gewinnverdoppelung ohne Umsatzwachstum
Wie hat Wienerberger geschafft, den Gewinn bei fast stagnierendem Gesamtumsatz zu verdoppeln? Dafür muss eine Aussage aus der Pressemitteilung ernst genommen werden, in der Wienerberger betont, dass es „in einem herausfordernden makroökonomischen Umfeld erneut die Stärke seines Geschäftsmodells unter Beweis gestellt“ habe.
Die Entwicklung des Konzernumsatzes betrug laut des am 18. Februar veröffentlichten Kurzberichts plus 53 Mio. Euro. Dem stand ein Anstieg der Herstellungskosten um 61 Mio. Euro gegenüber. Entsprechend verringerte sich das Gesamtumsatzbruttoergebnis sogar um 9 Mio. Euro auf 1.603 Mio. Euro. Auch die Vertriebs- und Verwaltungskosten stiegen von 2024 zu 2025 um 31 Mio. Euro. Wo kommt die Gewinnverdoppelung nun her?
Den Unternehmensertrag ins Positive gewendet haben zwei Aspekte. Erstens konnte Wienerberger die sonstigen betrieblichen Aufwendungen, die im Jahr 2024 noch 74 Mio. Euro umfassten, in Erträge von 3 Mio. Euro verwandeln.
Zweitens verbesserte sich das Finanzergebnis erheblich, von minus 143 Mio. Euro im Jahr 2024 auf minus 99 Euro im Jahr 2025. Maßgeblich beigetragen hat laut Kurzbericht das sonstige Finanzergebnis, dass sich von minus 41 Millionen Euro im Jahr 2024 auf 0 Euro verbesserte. Laut dem Unternehmen verdankt sich dieses Ergebnis zum einen einem stabil bleibenden Zinsaufwand, was auf erfolgreiche Refinanzierungsmaßnahmen und ein ausgewogenes Fälligkeitsprofil zurückzuführen sei. Zum anderen resultiere die Verbesserung im Wesentlichen aus dem Wegfall negativer Währungsumrechnungseffekte im Zusammenhang mit der Entkonsolidierung der russischen Aktivitäten im Vorjahr.
Zur Umsatzentwicklung
Selbst der insgesamt verhalten steigende Umsatz ist Ergebnis der Strategie Wienerbergers. Wie der Konzern selbst im Brief des Vorstandsvorsitzenden sagt: „Das operative EBITDA belief sich auf 754 Mio. Euro bei einer soliden Marge von 16,5 Prozent. Bemerkenswert ist, dass es uns trotz des insgesamt schwachen Neubauumfelds gelungen ist, Umsätze und Margen zu halten und gleichzeitig unsere Free-Cashflow- Generierung deutlich zu stärken. Diese Leistung spiegelt unser diszipliniertes Kostenmanagement, unsere operative Exzellenz sowie unsere Fähigkeit wider, den Fokus aktiv auf widerstandsfähigere und wachsende Endmärkte wie Infrastruktur- und Dachlösungen zu verlagern.“
Westeuropa
Im Jahr 2025 stiegen Wienerbergers Umsatzerlöse um 6 Prozent auf 2.686 Mio. Euro (2024: 2.544 Mio. Euro), getrieben durch ein Mengenwachstum von plus 2 Prozent sowohl bei keramischen Produkten als auch bei Rohrsystemen, während das Preisniveau insgesamt stabil blieb (0 Prozent). Das operative EBITDA erhöhte sich um 17 Prozent auf 408 Mio. Euro (2024: EUR 350 Mio. Euro), unterstützt durch Effizienzsteigerungen und konsequente Kostenkontrolle. Höhere Personal- und Energiekosten im Vergleich zum Vorjahr wirkten jedoch dämpfend.
Osteuropa
Im Jahr 2025 erzielte der Konzern in der Region Umsatzerlöse von 1.180 Mio. Euro (2024: 1.169 Mio. Euro), gestützt durch stabile Absatzvolumina (0 Prozent), wobei positive Entwicklungen im Keramikbereich die schwächere Performance im Rohrbereich ausglichen und eine insgesamt positive Preisentwicklung von plus 2 Prozent zu verzeichnen war. Das operative EBITDA ging leicht auf 214 Mio. Euro zurück (2024: 219 Mio. Euro), beeinflusst durch steigende Energie- und Personalkosten.
Nordamerika
Im Jahresverlauf 2025 erwirtschaftete die Region Umsatzerläse von 700 Mio. Euro (2024: 799 Mio. Euro), bedingt durch einen 8-prozentigen Volumenrückgang hauptsächlich infolge schwacher Nachfrage nach keramischen Vormauerprodukten.
Während die Rohrpreise aufgrund industrieweiter Preissenkungen zurückgingen, kam es bei keramischen Produkten zu geringfügigen Preissteigerungen. Diese Entwicklung resultierte in einem operativen EBITDA von 132 Mio. Euro (2024: 191 Mio. Euro).
Die Absatzmengen bei Vormauerziegeln gingen aufgrund der ausgeprägten Schwäche im Wohnungsbau zurück. Eine geringere Auslastung der Werke beeinträchtigte die Kostenabsorption, während die Preise stabil blieben. Die Mengeneffekte waren mit -11 Prozent negativ, während die Preise mit einem Anstieg von 1 Prozent stabil blieben. Das Rohr- und Infrastrukturgeschäft entwickelte sich dank laufender Investitionen im Bereich Wasserversorgung- und Regenwasserkanalisation sowie durch öffentliche Versorgungsunternehmen stabiler. Trotz des branchenweiten Preisdrucks verzeichnete Wienerberger im Rohrgeschäft leicht positive Absatzzahlen und konnte seinen Marktanteil in Bereichen wie Wassermanagement und Elektroinstallationsrohre ausbauen.
Ausblick 2026
Für 2026 erwartet Wienerberger laut Pressemitteilung weiterhin geopolitische Instabilität und anhaltende makroökonomische Volatilität. Eine strukturelle Erholung im Wohnungsneubau oder breite Marktbelebung seien nicht absehbar. Vor diesem Hintergrund prognostiziert der Konzern für das Geschäftsjahr 2026 ein leicht verbessertes operatives EBITDA von rund 760 Mio. Euro. Strategisch wird sich Wienerberger im Jahr 2026 auf eine überdurchschnittliche Marktperformance, die Generierung von Free Cashflow sowie den Ausbau der Ertragsbasis konzentrieren.
