Wohnungsbau in Deutschland: Anzeichen für eine Trendwende zumindest bei den Baugenehmigungszahlen
Die Entwicklung im Wohnungsbau scheint auf längere Sicht wieder an Fahrt zu gewinnen, wie der Trend steigender Genehmigungszahlen für Wohnbauvorhaben anzudeuten scheint. Gleichzeitig scheint die Stimmung unter den den Wohnungsbau vollziehenden Markteilnehmern damit noch nicht Schritt zu halten.
Baugenehmigungszahlen steigen fünften Monat in Folge
Der Trend wieder klar steigender Baugenehmigungszahlen setzt sich fort und scheint sich zu verstetigen. Die Zahl der Wohnungsbaugenehmigungen ist laut Meldung des Statistischen Bundesamtes vom 18. Dezember 2025 zum wiederholten Male gestiegen. Im Oktober 2025 genehmigten die Ämter in Deutschland den Bau von rund 19.900 Wohnungen, rund 1.300 oder 6,8 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Die Genehmigungszahlen steigen seit Juni 2025 wieder kontinuierlich, nachdem sie bis September 2024 gesunken waren und sich dann nur langsam wieder in umgekehrte Richtung zu entwickeln begannen.
Insgesamt wurde in den ersten zehn Monaten des vergangenen Jahres, von Januar bis Oktober 2025, der Bau von 195.400 Wohnungen genehmigt. Das sind 11,2 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die monatlichen Genehmigungszahlen bewegen sich jetzt wieder auf einem Niveau wie im Jahr 2023.
Zahl genehmigter Einfamilienhäuser steigt besonders stark
Der deutliche Anstieg der Baugenehmigungen lässt sich auf zwei Segmente zurückführen. Die Zahl der genehmigten Einfamilienhäuser von Januar bis Oktober 2025 lag bei 37.000. Das ist ein Plus von 16,6 Prozent bzw. 5.300 Wohnungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
Die Zahl genehmigter Neubauwohnungen in Mehrfamilienhäusern in demselben Zeitraum erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 13,2 Prozent bzw. 12.100 Einheiten auf 104.100.
In Zweifamilienhäusern wurden dagegen weniger Wohnungsbauvorhaben genehmigt. Die Zahl reduzierte sich um 1,1 Prozent bzw. 100 Wohnungen auf 10.600.
Besonders deutlich wird die Trendwende im Vergleich mit dem Veränderungsraten der Baugenehmigungszahlen vor 12 Monaten. Diese waren im Oktober 2024 sämtlich deutlich negativ. Insgesamt wurden damals 18,0 Prozent weniger Wohnungen genehmigt als im Oktober 2023. Im Zeitraum von Januar bis Oktober 2024 wurden 175 800 Wohnungen genehmigt. Das waren 19,5 % oder 42 600 weniger als im Vorjahreszeitraum. Bei Einfamilienhäusern betrug der Rückgang in diesem Zeitraum 23,6 Prozent, bei Zweifamilienhäusern 13,6 Prozent und bei Mehrfamilienhäusern 22,2 Prozent.
Geschäftsklima im Wohnungsbau leicht verbessert – Lage weiterhin instabil
Das ifo Institut – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e.V. sieht laut Pressemitteilung vom 16. Dezember 2025 ebenfalls eine leichte Aufhellung der Stimmung im Wohnungsbau. Der ifo Geschäftsklimaindex stieg von -22,8 auf -21,0 Punkte. Die Unternehmen schätzten, so das Institut, ihre Lage besser ein, die Erwartungen für die kommenden Monate bleiben jedoch verhalten. „Die Unternehmen im Wohnungsbau sind aktuell zwar weniger pessimistisch“, sagt Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo Umfragen. „Die Zukunftsaussichten bleiben jedoch unverändert schwach.“
Ein anhaltendes Problem für die Unternehmen im Wohnungsbau stellt der Auftragsmangel dar. Der Anteil an Firmen, die zu wenig Auftragseingänge vermelden, stieg laut ifo deutlich von 44,4 auf 47,0 Prozent.
Dazu kommt eine wachsende Zahl von Berichten über Stornierungen. Im Oktober 2025 lag der Anteil der Firmen mit Stornierungen bei 11 Prozent, im Vormonat waren es noch 8 Prozent. Das sei der höchste Wert seit Oktober 2024, so das ifo Institut.
„Viele Bauprojekte werden aufgeschoben oder ganz abgesagt“, so Wohlrabe. „Das zeigt, wie instabil die Lage im Wohnungsbau weiterhin ist – eine echte Erholung ist weiterhin nicht in Sicht.“
