Wohnungsneubau in Deutschland – wohin geht die Reise?

Der Wohnbautag der Aktion „Impulse für den Wohnungsbau“ Ende April in Berlin hat sich intensiv damit befasst, wie die steigende Nachfrage insbesondere nach preiswerten Wohnungen befriedigt werden und was vor allem die Politik dazu beitragen kann. Noch immer liegen Baufertigstellungszahlen von über 250 000 Wohnungen, die mittlerweile als untere Grenze des Benötigten angesehen werden, in weiter Ferne. Zwar ist die Zahl der Baugenehmigungen vor allem im Mehrfamilienhausbau deutlich gestiegen; es mangelt aber an der Umsetzung – aus verschiedenen Gründen. So hat sich in den letzten Jahren ein Nachholbedarf von mindestens 500 000 Wohneinheiten aufgebaut, der aber bei einem steigenden Wanderungssaldo von derzeit über einer halben Million Personen nicht ansatzweise abgebaut wird. Dies passiert deshalb nicht, weil für sich für den Investor der Mietwohnungsbau unter den gegebenen Rahmenbedingungen nicht lohnt. Um dies zu ändern, müssen alle staatlichen Stellen, die Kommunen mit der ausreichenden Bereitstellung preiswerter Grundstücke, die Länder mit einer ausgeweiteten Wohnbauförderung und der Bund mit einer Erhöhung der Abschreibungssätze, ihr Scherflein dazu beitragen. Nur so ist es möglich, die erforderliche Kaltmiete auf ca. 8 €/m² zu drücken und damit für weite Teile der Bevölkerung wieder erschwinglich zu machen.

Was bedeutet die Entwicklung für die Ziegelindustrie? Der Zuwachs im Wohnungsneubau findet in den letzten Jahren fast ausschließlich im Mehrfamiliensegment statt. Mit innovativen Produkten und verbesserten Bauweisen hat die Ziegelindustrie ihre Chancen deutlich erhöht, auch von diesen Zuwächsen zu profitieren. Die gerade ins Leben gerufene Aktion „Lebensraum Ziegel“ hat sich unter anderem zum Ziel gesetzt, die Vorteile der monolithischen Ziegelbauweise auch im Mehrfamilienhausbau einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen. Wegen der Wanderungsbewegung zurück in die Stadt werden die Fertigstellungszahlen im Ein- und Zweifamilienhausbau auch in absehbarer Zukunft kaum mehr steigen. Deshalb empfiehlt es sich für die Dachziegelhersteller, den enormen, noch nicht genug erschlossenen Sanierungsmarkt zu aktivieren. Schließlich wurde auf dem Wohnbautag auch deutlich, dass in den nächsten Jahren ein riesiger Bedarf für preisgünstige, schnell zu errichtende Wohnanlagen für Migranten und Asylanten besteht. Hier ist in der Ziegelindustrie ein kreatives Nachdenken gefragt, wie mit unseren Produkten ein solides Gegenstück zu Containerdörfern, Zeltlagern und Fertighausbaracken geschaffen werden kann.

Martin Roth

Geschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen
Ziegelindustrie e.V., Bonn

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