20. Internationale Tagung Ziegeleigeschichte/Ziegeleimuseen

Ziegel und Kalk im Museum Flintsbach

Die Organisatoren, der Bundesverband der Deutschen Ziegelindustrie e.V. in Kooperation mit der Marktgemeinde Winzer und dem Förderverein e.V. „Ziegel- und Kalkmuseum Flintsbach“ luden vom 30. Juni bis 2. Juli 2013 zur Jubiläumstagung nach Winzer ein. Dem Museum entsprechend, waren die Baustoffe Ziegel und Kalk ein Schwerpunktthema der Veranstaltung.

Die traditionelle Fachexkursion am Sonntag führte zuerst nach Regensburg, wo der Dom und die Steinerne Brücke auf dem Programm standen. Nach einem Rundgang durch die Produktion der Firma Walhalla Kalk GmbH & Co. KG in Walhalla wurde in Neufahrn das Dachziegelwerk der Erlus AG besichtigt. Der Tag endete mit einem Museumsrundgang in Flintsbach und einem geselligen Abend im Ziegel- und Kalkmuseum.

Dr. Wolfgang Müller sprach zur Eröffnung des Tagungsprogrammes den ortsansässigen Organisatoren seinen großen Dank aus. Diese hatten, trotz der vorausgegangenen Hochwasserkatastrophe, eine wirklich gelungene Veranstaltung auf die Beine gestellt, bei der nun auch das Wetter mitspielte. Für den Bürgermeister und langjährigen Tagungsteilnehmer Jürgen Roth war es eine große Ehre, dass die Teilnehmer so zahlreich nach Flintsbach gekommen waren.

Der Vortragsteil startete mit einer Übersicht von Dr. Ernst Kroemer, der die „Geologischen Vorkommen von Ton und Kalk im Raum Winzer“ erläuterte. Prof. Dr. Egon Johannes Greipl, München, informierte über „Denkmäler als Spezialmuseen“. Von den 1350 Museen in Bayern seien viele in Baudenkmälern untergebracht, obwohl diese in der Mehrzahl keine inhaltliche Verbindung zum Gebäude hätten. Das Ziegel- und Kalkmuseum Flintsbach mit seinem Hoffmannschen Ringofen biete dagegen eine sehr gelungene Lösung, dieses Spezialmuseum sei „nichts“ ohne das Authentische. Über die „Entwicklung der Kalkbrenntechnik von den Anfängen bis zum Ringofen von Flintsbach“ sprach Holger Bönisch, der auch einen Überblick über die Entwicklung der Ofentypen gab. Johannes Molitor informierte über die „Geschichte des Ziegel- und Kalkwerkes der Familie Knollmüller“ und den 1884/85 errichteten und noch heute stehenden Ringofen. Dass früher in fast jedem Dorf eine Ziegelei stand und Ziegel nur regional verkauft wurden, berichtete Jürgen Roth in seinem Vortrag „Verbreitung und Verarbeitung von Ziegeln und Kalk im Raum Winzer und Umgebung“. Georg Schuster stellte dann die „Anwendung industriell hergestellten Kalks in der Gegenwart“ in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Im letzten Vortrag des Tages gab Dr. Wolfgang Müller einen „Rückblick auf 20 Tagungen Ziegeleigeschichte/Ziegeleimuseen“. Rund 1 700 Teilnehmer aus acht Ländern haben in den 20 Veranstaltungen 250 Fachvorträge gehört. Veranstaltungsorte waren bisher Ziegeleimuseen in acht deutschen Bundesländern und zweimal in den Niederlanden. Abschließend stellten die verschiedenen Vertreter der Museen ihre aktuellen Projekte und Neuigkeiten vor, ehe man zum gemütlichen Teil, dem Zieglerabend „am Ofen“, überging.

Heinrich Böger eröffnete am zweiten Vortragstag seinen Beitrag zu „175 Jahre Tunnelofen“ mit dem Spruch eines englischen Kaplans: „Sie ändern eher den Teufel als den Ziegler“. Böger berichtete über die lange und auch schwierige Zeit, die es brauchte, bis sich der Tunnelofen durchsetzte. Einen sehr informativen Schnelldurchlauf über den schon Tausende Jahre eingesetzten „Ziegel – vom Backstein zum Hightechprodukt“ fasste Michael Pröll mit der Erkenntnis zusammen, dass Ziegel heute mehr als Zehnkämpfer sind. Dem Thema schloss sich Waltraud Vogler mit ihrem Vortrag „Ziegelarchitektur heute“ an, in dem sie eine Fülle von architektonisch hochwertigen Ziegelbauten behandelte. Der Architekt Thomas Neumeister zeigte dann an ausgewählten Beispielen zum Thema „Neues Bauen mit Ziegeln in alten gewachsenen Mauerwerksstrukturen – ein Werkbericht“, wie man mit modernen Backsteinen auch alte Gebäude behutsam sanieren und modern erweitern kann. Die „Migrationsgeschichte italienischer Wanderziegler in Süddeutschland“ zeigte Anita Kuisle am Beispiel der Familien Armellini auf. Dr. Andreas Immenkamp widmete sich im letzen Vortrag dann „150 Jahre Zieglerdichter Friedrich ­Wienke“, der 25 Jahre lang als Wanderziegler tätig war.

Dr. Immenkamp würdigte zum Abschluss der Tagung den langjährigen Tagungsleiter Dr. Wolfgang Müller für seine hervorragende Arbeit. Dr. Müller gibt die fachliche Leitung nun in die Hände von Andreas Immenkamp, wird dem Programmbeirat und der Tagung aber weiterhin verbunden bleiben.

Interessierte Teilnehmer hatten dann in einem fakultativen Ausflug die Gelegenheit, Landshut und St. Martin mit dem höchsten Ziegelturm der Welt sowie weitere Ziegelbauten zu besichtigen.

Die nächste Tagung 2014 soll, wie schon lange geplant, in der Schweiz stattfinden.

Anett Fischer

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