20 Jahre Materialforschungs- und -prüfanstalt in Weimar

Zu Beginn dieses Jahres konnte die Material­forschungs- und -prüfanstalt (MFPA) in Weimar auf ihr 20‑jähriges Bestehen zurückblicken.

Die Abwicklung aller Institute der Bauakademie der ehemaligen DDR, entsprechend des Einigungsvertrages von 1990, war der Startpunkt für den Aufbau der heutigen MFPA Weimar. Dem Forschungs- und Prüfungsbedarf der Industrie Rechnung tragend, wurde in Thüringen die Materialforschungs- und -prüfanstalt als amtliche Materialprüfanstalt im Land Thüringen neu gegründet. Die Konzeption für die Struktur der neuen MFPA lehnte sich an die der Lehrstühle der Bauhaus-Universität an und wurde mit ihr, durch die Bestellung von Professoren zu Fachgebietsleitern, personell verzahnt. Das neue Personal setzt sich vorwiegend aus der Belegschaft des ehemaligen Institutes für Baustoffe zusammen.

Heute ist die MFPA ein technischer Dienstleister für die Prüfung, Überwachung und Zertifizierung von Bau- und Dämmstoffprodukten, die Zustands- und Schadensanalyse von Bauwerken sowie Bauteilen. Daneben stellt sie sich als eine außeruniversitäre Forschungseinrichtung mit werkstoff- und materialwissenschaftlichem Schwerpunkt dar. Einen besonderen Stellenwert hat dabei die Forschungszusammenarbeit mit mittelständischen Unternehmen in Verbundprojekten.

Das Fachgebiet Bauphysik, das sich vor allem mit wärme- und feuchteschutztechnischen Eigenschaften von Materialien befasst, nutzte nach der Neugründung der MFPA vorhandene Doppelklimakammern für klimatische und wärmetechnische Untersuchungen von Bauteilen. Auf der Grundlage von erbrachten Kompetenznachweisen und einer positiven Bewertung durch den zuständigen Sachverständigenausschuss werden seit dem Jahr 1994 wärmetechnische Messungen der MFPA durch das DIBt anerkannt. Nach der Übernahme der PÜZ-Stelle des aufgelösten Instituts für Bau- und Grobkeramik Weimar ist seit 2002 eine komplette Güteüberwachung von Ziegeln möglich, die die  Überwachung der werkseigenen Produktionskontrolle sowie die Prüfung und Zertifizierung der Produkte umfasst.

Vor allem Messungen an Wänden aus Hochlochziegeln zur Bestimmung des Wärmedurchlasswiderstandes des Mauerwerks nach DIN 52611 bzw. DIN EN 1934 und Messungen der Wärmeleitfähigkeit des verwendeten Ziegelmaterials nach DIN 52612 bzw. DIN EN 12664 sind fachliche Schwerpunkte in der Ziegelprüfung. Zur wärmetechnischen Prüfung des Mauerwerks werden 1,5 m x 1,5 m große Wände als Prüfkörper gemauert und für die Prüfung vorbereitet. Anschließend wird nach der Methode mit dem Wärmestrommesser der Wärmedurchlasswiderstand ermittelt (»1).

Für die wärmetechnische Charakterisierung eines Ziegelscherbens reicht die Bestimmung der Nettorohdichte nicht aus, deshalb ist die Wärmeleitfähigkeit des Scherbenmaterials zu bestimmen. Dies gilt insbesondere für Hochlochziegel, die mit plattenförmigen Dämmstoffen gefüllt sind. Dabei werden die Messungen an den aus Außenlängsstegen der Ziegel hergestellten Probeplatten, die aufwändig nass geschliffen und danach getrocknet werden, mit einer Poensgenapparatur im Ein- bzw. Zweiplattenverfahren durchgeführt. Parallel zu den wärmetechnischen Prüfungen können in modern eingerichteten Laboren der MFPA weitere Parameter des Ziegels ermittelt  werden (»2).

Zu weiteren Schwerpunkten des Fachgebietes entwickelten sich die Bestimmung des Wärmedurchlasswiderstandes mittels FEM-Modellierung sowie die numerische Simulation zur wärmetechnischen Optimierung von Mauerwerk.  

Neben der Bestimmung thermisch-hygrischer Eigen­schaften von Ziegeln und Dämmstoffen im Labor werden auch Vor-Ort-Untersuchungen wie Thermographie, die Prüfung der Gebäudedichtheit mittels Differenzdruckverfahren an Bauwerken sowie die Schadensanalyse von Ziegelmauerwerk und Ziegelprodukten als Dienstleistung angeboten.  

Die Betreuung von Auszubildenden und Studenten sowie die Weiterbildung von Fachpersonal zu verschiedensten Themen runden das umfangreiche Tätigkeitsspektrum ab.

Neben der Prüfung von Ziegeln ist die MFPA Weimar als akkreditiertes Prüflaboratorium befähigt, für verschiedenste Bereiche des Bausektors Forschungs- und Dienstleistungen zu erbringen. Dies reicht von geotechnischen Untersuchungen, baustofflichen Prüfungen über Umweltanalytik bis hin zur Kalibrierung von Messeinrichtungen.

Für die Zukunft ist die Materialforschungs- und -prüf­anstalt Weimar personell und mit den Prüf- und Messeinrichtungen gut aufgestellt und versteht sich auch weiterhin als zuverlässiger Partner der Ziegelindustrie.

Paul Rieger und Alexander Freyburg

x

Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 01/2023 MFPA Weimar

Workshop „Intermittierende Mikrowellentrocknung für die Ziegelindustrie“

Am 18. Oktober 2022 fand in der Materialforschungs- und -prüfanstalt an der Bauhaus-Universität in Weimar (MFPA) der Workshop „Intermittierende Mikrowellentrocknung für die Ziegelindustrie“...

mehr
Ausgabe 08/2014

Jahreshauptversammlung und Fachexkursion des Zieglerverbandes Österreich

Der Zieglerverband Österreich, Linz, engagiert sich seit über 90 Jahren für die technischen Belange des Ziegels in Bezug auf Normung und Anwendung. Die acht klein- und mittelständischen...

mehr
Ausgabe 6/2019

Effektive Trocknerführung

Zerstörungsfreie Feuchtemesssysteme bestimmen die Feuchte von der Oberfläche aus. Dadurch beeinflusst der Wassergehalt sensornaher Schichten den angegebenen Messwert am stärksten. Somit wird es...

mehr
Ausgabe 6/2017

Effektive Trocknerführung durch materialspezifische Feuchtebestimmung – Teil 1: Materialdaten

Die Rohlingstrocknung ist der mit Abstand energieintensivste Verfahrensschritt in der Ziegelherstellung. Für die Prozesssteuerung ist es interessant, die Feuchteverteilung in den Rohlingen während...

mehr
Ausgabe 3/2015 Güteschutz Ziegel e.V.

Gut besuchter Workshop Werkseigene Produktionskontrolle (WPK) in Weimar

Vom 25. bis 26. Februar 2015 fand in Weimar der WPK-Workshop für Qualitätsbeauf­tragte und Laborpersonal der Mitgliedswerke statt, organisiert vom Güteschutz ­Ziegel e.V. in Kooperation mit der...

mehr