Bauaufsichtliche Zulassung für Kaltziegel von Leipfinger-Bader
Der vom bayerischen Ziegelhersteller Leipfinger-Bader entwickelte Kaltziegel hat die offizielle bauaufsichtliche Zulassung Z-17.13-1328 des Deutschen Instituts für Bautechnik erhalten. Das teilt das Unternehmen in einer Pressmeldung vom 26. Mai mit. Die Zuordnung des Kaltziegels nach EN 771-3, der europäischen Norm für Mauersteine aus Beton mit dichten oder porigen Zuschlägen, erfolge aufgrund des kalten Herstellungsverfahrens, nicht aufgrund eines Betoncharakters des Materials.
Die Zulassung erlaubt den Einsatz des Kaltziegels für verschiedenste Einsatzgebiete wie Büro- und Industriegebäude oder im Wohnungsbau. Das Produkt erfüllt zentrale Anforderungen an Ressourcenschonung, Energieeffizienz und Kreislauffähigkeit und eignet sich als Baustein für Gebäude mit QNG-Zertifizierung. Das Treibhauspotenzial (GWP) für die Wand aus Kaltziegel beträgt bei einer Dicke von 24 Zentimetern umgerechnet 21 Kilogramm CO2-Äquivalente pro Quadratmeter. Leipfinger-Bader betont, dass durch die Aufnahme in die baurechtlich geregelten und technisch normierten Anwendungsbereiche ein Recyclingbaustoff zur Verfügung stehe, der wie konventionelle Produkte nachweislich alle erforderlichen Standards erfüllt und damit uneingeschränkt für zugelassene bauliche Zwecke eingesetzt werden kann.
Stabiler und feuerbeständiger Recyclingbaustoff
Der Kaltziegel wird aus recycelten Ziegelresten, die während des Produktionsprozesses oder bei Abrissarbeiten anfallen, und mineralischen Bindemitteln hergestellt. Durch die Kaltpressung und Lufttrocknung entsteht ein Baustoff mit hoher Stabilität und sehr guten bauphysikalischen Eigenschaften. Zugelassen ist der Baustoff jetzt offiziell als Planvollstein und Planvollblock in den Druckfestigkeitsklassen 6 bis 12. Mit fk-Werten von 3,0 bis 4,8 MN/m² ist er für tragende und raumabschließende Wände geeignet. Mit einer Rohdichte von 1,60 und 1,80 kg/dm³ bietet der Recyclingziegel eine wirkungsvolle Kombination aus Stabilität und Brandschutz. Diese hohen Rohdichtewerte ermöglichen die Einstufung in die Feuerwiderstandsklassen F 30-A, F 60-A und F 90-A, wodurch der Kaltziegel auch für den Bau von Brandwänden geeignet ist. Die Mindestwanddicke für Brandwände beträgt dabei 240 Millimeter. Eine Besonderheit stellt die Zulassung für unverputzte Brandwände dar, die zusätzliche Gestaltungsspielräume im modernen Mauerwerksbau eröffnet.
Marktfähiger Baustoff mit Potenzial
Der Kaltziegel ist laut Auskunft durch Leipfinger-Bader kein Prototyp. Das Unternehmen könne den Baustoff industriell herstellen und vertreibe ihn bereits erfolgreich.
Qualitativ sieht der bayerische Hersteller ein erhebliches Potenzial für den Kaltziegel. Aufgrund des Herstellungsverfahrens und der genutzten Sekundärrohstoffe adressiert der Baustoff zentrale Markttreiber wie Kreislaufwirtschaft, Ressourceneffizienz und die Reduktion prozessbedingter CO2-Emissionen. Besonders für Projekte, bei denen nachweisbare Emissionsreduktion, Recyclinganteil und ressourcenschonende Herstellung im Vordergrund stehen.
Preislich lässt sich der Baustoff nur eingeschränkt einordnen. Verglichen mit dem Unipor-Planziegel ist der Kaltziegel rund 5 Prozent teurer. Allerdings sind die beiden Steine aufgrund unterschiedlicher Abmessungen, Rohdichte und Druckfestigkeitsklasse nur eingeschränkt vergleichbar. Leipfinger-Bader geht davon aus, dass die Herstellung des Kaltziegels im Vergleich zum Planziegel in mittlerer Frist durch die Wärme- und Energiepreise günstiger wird. Doch werde es länger dauern, bis sich der Kaltziegel als direkte Alternative zum Planziegel etabliert.
