Dänischer Ziegelhersteller Matzen Tegl untersucht Kohlenstoffabscheidung und -weiterverwendung
Seit Juli 2025 gilt in Dänemark eine neue Höchstgrenze für die Klimafolgen von Baustoffen. Für ein Einfamilienhaus dürfen nicht mehr als 6,7 Kilogramm CO2 pro Quadratmeter anfallen, ab 2029 sogar nur 5,4 Kilogramm. Diese Auflagen motivierten den dänischen Ziegelhersteller Matzen Tegl zum Forschungsprojekt Valgreen zur Entwicklung und Demonstration von Technologien zur Abscheidung von CO2 direkt aus der Ziegelherstellung sowie dessen unterirdischer Speicherung oder Nutzung in wertschöpfenden Prozessen.
Neben dem dänischen Ziegelhersteller sind die Technische Universität Dänemarks die Unternehmen Topsøe, Rambøll, Force, Cybernetica und Pentair/Union Engineering daran beteiligt. Laufzeit des Projekts ist von August 2025 bis Oktober 2028. Die CO2-Abscheidung wird bei Gråsten Teglværk, einem der beiden Werke von Matzen Tegl, getestet und demonstriert. Aus dem Programm zur Entwicklung und Demonstration von Energietechnologien (EUDP) und Green Labs DK (GLDK) fließen 31 Millionen Dänische Kronen Förderung.
Projektleiter Jacob H. Bendtsen, DGNB-Berater, der sich seit 15 Jahren mit Nachhaltigkeit unter anderem bei Matzen Tegl beschäftigt, hat im Gespräch mit dem Dänischen Ziegelverband das Projekt näher erläutert: „Durch die Umstellung auf Biogas, die Optimierung der Produktion und die Entwicklung neuer Ziegeltypen haben wir als Branche große Schritte in eine klimafreundlichere Richtung unternommen. Doch die neuen CO2-Anforderungen, die seit dem 1. Juli 2025 Jahres in Kraft sind, erfordern einen weitaus größeren Gangwechsel, als wir es gewohnt sind.“
Bendtsen wird in den nächsten drei Jahren ein Team von Spezialisten und Forschern leiten, das im Werk Gråsten testen soll, ob CO2-Abscheidung diesen Gangwechsel befördert.
Stärke und Qualität müssen erhalten bleiben
„Andere Versuchsprojekte, bei denen wir beispielsweise Ziegel mit Mikrowellen- und Elektroöfen gebrannt haben, gingen zu Lasten der Festigkeit und Qualität der Ziegel. Das ist nicht akzeptabel. Wir wollen bei den Eigenschaften dänischer Ziegel keine Kompromisse eingehen. Deshalb müssen wir den CO2-Ausstoß des Gases, mit dem wir heute die Öfen beheizen, reduzieren. Ich halte das für die richtige Lösung“, sagt Bendtsen.
Das Projekt hat ein ehrgeiziges Ziel: die Herstellung von Ziegeln mit einem CO2-Fußabdruck von weniger als 10 Kiloramm pro Tonne – eine Reduzierung von über 94 Prozent im Vergleich zum aktuellen Emissionswert am Standort Gråsten Teglværk von 177 Kilogramm pro Tonne.
Vom Rauchgas zur Ressource
Das erste Jahr des Projekts ist Analysen und der Reinigung des Rauchgases gewidmet, damit die CO2-Abscheidungs-anlage optimal funktionieren kann. Das Rauchgas enthält unter anderem Fluor, das die für die CO2-Abscheidung verwendeten Wärmetauscher verschleißen kann.
„Wir müssen einen Rauchgasstrom erzeugen, mit dem die CO2-Abscheidungsanlage arbeiten kann. Anschließend wird die Anlage selbst entwickelt, während Topsøe untersuchen soll, wie wir das abgeschiedene CO2 in Wasserstoff oder andere Produkte umwandeln können. Unser Traum ist, CO2 in etwas Relevantes und Wertvolles umzuwandeln, anstatt es in der Nordsee zu vergraben. Läuft alles wie geplant, kann die überschüssige Wärme aus der CO2-Abscheidung an das lokale Fernwärmenetz verkauft und das Wasser in der Produktion genutzt werden. Auf diese Weise wird das Projekt zu einem klimatischen und zu einem wirtschaftlichen Gewinn“, erklärt Bendtsen.
Wenn das Projekt im Oktober 2028 endet, hat Bendtsen einen klaren Wunsch für das Ergebnis: „Dann haben wir einen Stein in der Hand, der die gleiche hohe Qualität hat wie ein heute produzierter. Der aber nahezu CO2-neutral ist, wenn es uns gleichzeitig gelingt, das Gesetz zu ändern, sodass wir die verkaufte Energie aus der CO2-Abscheidung aus unseren EPDs herausnehmen können.“
Niemand will mehr für Nachhaltigkeit bezahlen
CO2-Abscheidung ist eine aufwendige und investitionsintensive Lösung. Bedeutet das, dass sich die Dänen in Zukunft daran gewöhnen müssen, mehr für CO2-neutrale Ziegel zu bezahlen?
Nein, sagt Bendtsen: „Als wir als Branche begannen, Biogas-Zertifikate als nachhaltigere, aber teurere Alternative zu Erdgas zu kaufen, stieg natürlich der Preis für Ziegel aus Biogas. Aber niemand war bereit, einen Aufpreis für die umweltfreundlicheren Ziegel zu zahlen. Deshalb haben wir uns dafür entschieden, mit Biogas zu brennen, aber die Ziegel wie vorher zu bepreisen. Wir haben den Verlust in Kauf genommen – das waren die Bedingungen. Ich glaube nicht, dass sich daran etwas ändern wird. Genau deshalb ist dieses Projekt so interessant, denn wir gehen davon aus, dass wir mit der CO2-Abscheidung unsere Betriebskosten senken können, da wir sowohl Energie sparen als auch die Abwärme beispielsweise als Fernwärme verkaufen können. Das bedeutet, dass wir mit CO2-Abscheidung hoffentlich in der Lage sein werden, die gleiche Preisstruktur beizubehalten – oder im besten Fall sogar zu senken. Denn leider will niemand mehr für Nachhaltigkeit bezahlen.“
