ZI

Rückblick auf die Jahresversammlung des Bundesverbands der Deutschen Ziegelindustrie 2026 in Kassel

Die Jahresversammlung des Bundesverbands der Deutschen Ziegelindustrie (BVZi) 2026 fand am 6. und 7. Juli in Kassel-Wilhelmshöhe statt. Ebenso trafen sich der bayerische Ziegelindustrie-Verband, der neue Fachverband Ziegelindustrie, hervorgegangen aus der Fusion von Fachverband Ziegelindustrie Nordwest e.V. und Fachverband Ziegelindustrie Nord e.V. am 18.06.2026, die Arbeitsgemeinschaften Zweischaliges Mauerwerk und Pflasterklinker sowie die Güteschutzvereine Güteschutz Ziegel, Güteschutzziegel Süd sowie Keramlabor zu ihren jeweiligen Mitgliederversammlungen. Ort der Tagung war das Schlosshotel Bad Wilhelmshöhe im gleichnamigen Bergpark, in der Nähe von Schloss Wilhelmshöhe und unter den Augen des über den Kaskaden thronenden Herkules. Am Abend des 6. Juli versammelten sich alle Teilnehmer zu einem gemeinsamen Abendmahl, mit vielfältigen Gelegenheiten zu Gesprächen.

 

Rede des Präsidenten

Der Präsident des BVZi, Stefan Jungk, eröffnete die Mitgliederversammlung am Morgen des 7. Juli. Er begrüßte die Teilnehmer und als besonderen Gast den früheren Geschäftsführer des BVZi und jetzigen Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Baustoffe - Steine und Erden, Dr. Matthias Frederichs. In seiner Rede vermischte sich die Freude über die Zusammenkunft mit der angespannten Lage der Branche. Die harten Jahre seien noch nicht vorbei, sagte er. Die seit 2023 anhaltend niedrige Nachfrage nach grobkeramischen Baustoffen erzwinge in vielen Betrieben Kurzarbeit und die Verschiebung von Investitionen. Zwar steigen die Baugenehmigungszahlen seit einigen Monaten wieder. Doch erfolgt dieser Anstieg im Vergleich zu einem historischen Tiefststand. Weiterhin spiegele sich diese Entwicklung noch nicht in tatsächlich laufender Bautätigkeit wider und der Wohnungsmangel sei weiterhin groß.

Gleichzeitig wachsen die Herausforderungen. Neue geopolitische Konflikte erhöhen erneut den Druck auf Energiepreise. Und zusätzlich nehme der Regulierungsdruck aus Brüssel weiter und ohne ausreichende Rücksicht auf die verheerende wirtschaftliche Lage der Ziegelindustrie massiv zu, wie Beispiele wie BREF (Best Available Techniques Reference) und ETS-Benchmark (Emissions Trading System) zeigen.

Für Deutschland forderte Jungk eine Behebung der analysierten Probleme. Es müssen endlich Entscheidungen folgen für weniger Bürokratie, schnellere Genehmigung, Digitalisierung und einfaches Bauen.

Dabei betonte er, dass die Explosion der Baukosten nicht mit den Baustoffpreisen zu erklären seien. Während die Baupreise seit 2019 massiv gestiegen sind, haben sich die Preise für Hintermauerziegel lediglich um acht Prozent erhöht. Im Vergleich mit der Allgemeinen Inflationsrate sei der Baustoff sogar im Preis gesunken. Das sei ein massives Warnsignal. Denn wenn es nicht möglich ist, Preisanpassungen am Markt durchzusetzen, werde es schwierig, sich den Herausforderungen der Zukunft zu stellen.

Am Produkt liege es nicht. Ziegel seien im Gegenteil Teil der Lösung. Die besonderen Eigenschaften des Baustoffs wie Langlebigkeit, Robustheit, niedrige Betriebs- und Instandhaltungskosten müssten stärker Berücksichtigung finden.

Der Bundesverband habe seine Stimmen und die der Branche in Berlin und Brüssel in den vergangenen Jahren deutlich gestärkt. Diesen Weg werden sie konsequent fortsetzen, kündigte Jungk an, denn die Herausforderungen auch und gerade aus Brüssel seien gewaltig.

Ein weiterer Aspekt, der Grund zur Sorge bereite, sei das schrittweise Auslaufen der kostenlosen Zuteilung von CO2-Zertifikaten. Steigende Kosten für CO2 ohne gleichzeitig am Markt auskömmlichen Preise durchsetzen zu können, bedeute eine existentielle Bedrohung für viele Unternehmen und massiven Druck auf die Industrie.

Umso wichtiger sei der Zusammenhalt im Verband. Jungk forderte die Teilnehmer zu einem geschlossenen Auftreten auf. Nur wenn die Ziegler mit einer gemeinsamen und lauten Stimme sprechen und ihre Interessen entschlossen vertreten, werden sie das politische Gewicht entfalten, das die Branche benötigt.

Jungk dankte allen für Vertrauen und Unterstützung sowie dem Team des BVZi und schloß seine Rede mit der erneuten Aufforderung, gemeinsam dafür zu kämpfen, dass aus der vorsichtigen Erholung eine echte Trendwende werde.

Angeleitet von Herrn Jungk gedachte die Mitgliederversammlung mit einer Schweigeminute des im März Karl-Heinz Brakemeiers, der sich besonders um die Gemeinschaftsforschung und die Zusammenarbeit von Ziegelindustrie, Anlagenbau und Wissenschaft große Verdienste erworben hatte.

 

Tätigkeitsbericht 2025 und Ausblick 2026

Hauptgeschäftsführer Attila Gerhäuser zeigte sich sehr erfreut über die größte Anwesenheitsquote unter den Mitgliedern seit der Sitzung in Weimar 2023 und die Möglichkeit zu einem intensiven Austausch. Rund 90 Teilnehmer waren anwesend.

Der BVZi hat mit der Geschäftsaufgabe des Ziegelwerks Freital Eder ein Mitglied verloren, doch den Austritt von BMI abwenden können. Das erhalte besonders auf europäischer Ebene die politische Schlagkraft nicht nur des deutschen Verbands, sondern auch des europäischen Dachverbands Tiles and Brick Europe (TBE).

 

Personalia

Für die Geschäftsstelle des Verbandes verkündete Gerhäuser personelle Veränderungen. Ahmet Dogan folgt in der Leitung des Bereichs Normen und Anwendungen auf Hakan Türktür. Im Sekretariat Fachgruppe Hintermauerziegel folgt Franziska Föttinger auf Marina Wagner. Die Leiterin des Bereichs Leitung Public Affairs und Verbandskommunikation Rabea Kuhlmann-Böhlke wird in der Zeit des Mutterschutzes von Daniel Bromma vertreten. Für den zum Fachverband Ziegel wechselnden Technischen Geschäftsführer David Ostendorf sucht der BVZi einen Nachfolger.

 

Studien und Veröffentlichungen

Gerhäuser, mit berichtete von einer Studie, mit der die Langlebigkeit des Ziegels eine stärkere und angemessenere Berücksichtigung in Ökobilanzen finden soll. Betreut und erstellt hat diese Studie Juliane Nisse, Leitung Wärmeschutz, Energieeffizienz und Nachhaltigkeit beim BVZi. Eine Kurzfassung der Studie werden Sie in ZI 5/26 lesen können.

Zur Stärkung des Dachziegels im Zusammenhang mit dem Thema Sanierungen hat der Vorstand des BVZi die Wiederauflage einer Studie von 2021 zu energetischen Einsparpotenzialen von Dachsanierungen beschlossen.

Schließlich konnte Gerhäuser die Zielgerade bei der Überarbeitung des Ziegellexikons verkünden. Vor allem die Klärung der Urheber- und Nutzungsrechte der bildlichen Darstellungen im Lexikon war eine Herausforderung. Die bald in Geltung tretende EmpCo-Richtlinie erzwinge jetzt noch eine Überprüfung der Texte im Lexikon.

 

Update Baupolitik

Gerhäuser bewertete die politischen Fortschritte als relativ dünn. Der Bauturbo, den die Vorgängerregierung bereits geplant hatte, ist zwar in Kraft. Doch handele es sich eher um einen Turbo für Genehmigungen als für Bauprojekte. Der für Ziegel potenziell nützliche Gebäudetyp E lasse weiter auf sich warten, ein Referentenentwurf stehe weiter aus. Die begrüßenswerte Wiedereinführung der Förderung von EH55 kontrastierte Gerhäuser mit einer ganzen Reihe noch ausstehender, ebenso wichtiger Maßnahmen wie eigenkapitalwirksame Förderungen, steuerliche Abschreibungsfähigkeit sowie Senkung der Grunderwerbsteuer.

Auf Bundesebene gestalte sich die baupolitische Kommunikation eher verhalten, auf europäischer Ebene dafür umso besser. Dafür dankte Gerhäuser TBE-Präsident Murray Rattana-Ngam.

 

Bericht des Präsidenten der TBE

Rattana-Ngam fokussierte seine Rede auf einen grundsätzlichen, seines Erachtens nach häufig übersehenen Aspekt. Die Kritik an regionalen und Bundesverbänden, sie würden die Themen der Werke und Mitglieder nicht ausreichend berücksichtigen, treffe die Falschen. Denn der Ursprung der Regeln, die die Unternehmen betreffen, ist das EU-Recht. Auf europäischer Ebene werden die Leitplanken gesetzt, deren Vorgaben auf nationaler Ebene umgesetzt werden müssen.

Auf europäischer Ebene werde die Ziegelindustrie durchaus wahrgenommen. Rattana-Ngam verwies zum Beleg auf die erfolgreich beendeten Verhandlungen zum BREF und wies Kritiker des Ergebnisses darauf hin, dass dies ohne die viele und harte Arbeit der Industrievertreter viel negativer ausgefallen wäre. Er erinnerte auch an den Erfolg hinsichtlich der Carbon Leakage Liste. Diese Wahrnehmbarkeit und dieser Einfluss seien Ergebnis langjähriger und kontinuierlicher Arbeit. Angesichts der Vielzahl weiterer anstehender Regulierungsthemen sei es wichtig, die Bemühungen fortzusetzen. Damit sei die nächste große Herausforderung, die ins Haus stehende Transformation zu klimaneutralem Wirtschaften, noch gar nicht adressiert. Deshalb schloss Rattana-Ngam mit einem eindringlichen Appell, gemeinsam zu handeln. Die Schlachten, die die Ziegelbranche schlagen müsse, finden in Brüssel statt. Schaffen könne die Branche das nur gemeinsam und geschlossen.

 

Veränderung in Beitragsordnung und Nachwahl Präsidium

Die Mitglieder stimmten einstimmig einer Änderung der Beitragsordnung des Verbandes zu. Jetzt gibt es auch die Möglichkeit für Zulieferunternehmen der Ziegelindustrie, eine Fördermitgliedschaft im Verband zu erwerben.

Im Rahmen einer Nachwahl wurde Burkhard Theuerkauf von Wienerberger Deutschland zum Nachfolger des zurückgetretenen Mitglieds Reinhard Schwabe, ebenfalls Wienerberger, gewählt.

Ankündigung nächste Mitgliederversammlung

Die nächste Mitgliederversammlung im Jahr 2027 soll wieder in Berlin stattfinden. Der Bundesverband wird die Mitglieder zum 8. Juli in seine Räumlichkeiten einladen.

x

Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 04/2023 Ziegler-Jahrestagung 2023 in Weimar

Ziegler-Jahrestagung 2023 in Weimar – Ziegelindustrie im perfekten Sturm

Weimar, die Stadt der Dichter und Denker, war vom 12. bis zum 14. Juni dieses Jahres die Stadt der Ziegler. Im historischen Hotel Elephant fand die Jahrestagung der Deutschen Ziegelindustrie 2023...

mehr
Ausgabe 04/2022 Bundesverband der Deutschen Ziegelindustrie

Zwischen 125 Jahren Tradition und neuen Herausforderungen – die Ziegler-Jahrestagung 2022

In der letzte Juniwoche trafen sich die Mitglieder des Bundesverbands der deutschen Ziegelindustrie (BVZi) zur jährlichen Verbandstagung in Berlin. Das Treffen wurde von widerstreitenden Einflüssen...

mehr
Ausgabe 03/2022 Bundesverband Ziegel stellt Weichen für die Zukunft

Attila Gerhäuser folgt Dr. Matthias Frederichs als Hauptgeschäftsführer

Der Bundesverband der deutschen Ziegelindustrie (BVZi) hat eine neue Führungsspitze: Seit 1. Mai 2022 verantwortet Attila Gerhäuser die Hauptgeschäftsführung des BVZi. Der 37-jährige...

mehr
Ausgabe 4/2018 Ziegler-Jahrestagung 2018

Deutsche Ziegelindustrie trifft sich in Heidelberg

Zur diesjährigen Jahrestagung trafen sich die deutschen Ziegler vom 6. bis 8. Juni 2018 in Heidelberg. Mit gut einem Dutzend Veranstaltungen der verschiedenen Verbände und Vereine konnte man schon...

mehr
Ausgabe 4/2019 Ziegler-Jahrestagung 2019 in Berlin

Deutsche Ziegelindustrie blickt optimistisch in die Zukunft

Zu ihrer diesjährigen Jahrestagung trafen sich die deutschen Ziegler vom 22. bis 24. Mai 2019 in Berlin. In zehn, zum Teil parallel abgehaltenen Veranstaltungen, informierten die verschiedenen...

mehr