Kohleton aus dem Steinkohlebergbau für die Ziegelindustrie

Im Ruhrgebiet gewinnt die DSK Deutsche Steinkohle AG in mehr als 1 000 m Tiefe Steinkohle. Dabei fällt neben der reinen Steinkohle auch ein energieärmeres Nebenprodukt an, das als „taubes Gestein“ bezeichnet wird. Die Trennung des „tauben Gesteins“ von der wertvolleren Steinkohle erfolgt über mehrere Brech-, Sieb- und Waschvorgänge. Das gröbere Material wird nach der Absiebung als „Bergematerial“ aufgehaldet. Die feinste Fraktion wird über Flotationsprozesse  aufbereitet und im Nachgang in Filterpressen entwässert (»1). Die so anfallenden Filterkuchen werden als Press- oder Flotationsberge bezeichnet und bestehen in ihrer Zusammensetzung im Wesentlichen aus Ton und Kohle. Diese für die Keramik interessanten Filterkuchen werden nach jedem Pressvorgang just-in-time verladen (»2).

Die Firmen Hubert Gerharz GmbH, Inh. Jürgen Simon, und Arno Witgert, Inh. Dipl.-Ing. (FH) Michael Liebig e.K. haben mit der Vertriebstochter DSK, RAG Ruhrkohle AG Verkauf einen Vertrag zum Generalvertrieb dieser Steinkohlefilterkuchen in die keramische Industrie geschlossen. Gemeinsam betreibt man die Qualitätskontrollen dieses Rohstoffes. Auftragsabwicklungen und kundenspezifische Masse­optimierungen wurden intern nach verschiedenen Anwendungsbereichen zwischen den beiden Häusern aufgeteilt. Im Hause Gerharz läuft der Steinkohlefilterkuchen unter der Bezeichnung „KFK“, und bei Witgert trägt das Material die Bezeichnung „4024“.

Hubert Gerharz GmbH liefert schon seit vielen Jahren spezielle Zusatztone in die Hintermauerziegelindustrie. Gemeinsam mit verschiedenen Ziegelwerken wurden die keramischen und energetischen Eigenschaften des „KFK“ in Betriebsversuchen getestet und die Einsatzmöglichkeiten auf die Betriebsmassen und die Produktionsanlagen abgestimmt. Der Rohstoff „KFK“ verfügt über ein enormes Potenzial, nicht nur aus energetischer Sicht. Aktuell wird er in mehr als 10 Ziegeleien im Hintermauersektor regelmäßig ein­gesetzt. Transportwege von mehr als 800 km erweisen sich aufgrund der Energie­ersparnis in den Werken noch immer als rentabel.

 

Dieser hervorragende Rohstoff zeichnet sich aus durch:

› hohe und langfristige Verfügbarkeit

› niedrige Rohstoffkosten

› gutes plastisches Verhalten, da 60 % Tonmineralanteil (kaolinitisch-illitisch)

› gutes Trocknungsverhalten, da nahezu frei von quellfähigen Tonmineralen und geringem Feinstkornanteil, ca. 43 % < 2 µm

› leicht aufzubereitende Anlieferungsform, da die Filterkuchen wenig Grobkornanteil beinhalten; Aufbereitung ohne Verschleiß der Aufbereitungsanlagen, extrem homogen

› ca. 30 % feinstverteilte Kohle, Erhöhung der Mikroporen und Senkung der Wärmeleitfähigkeit des Scherbens, geringe Rohdichte (1,1 g/cm3 )

› rund 30 % Kohleanteil in Form von Steinkohle, die bei deutlich höheren Temperaturen verbrennt als die in üblichen Kohletonen enthaltene Braunkohle. Die im Tunnelofen frei werdende Energie kann positiv genutzt werden, was sich bei der frühen Verbrennung der Braunkohle als schwierig darstellt


Dipl. Ing. (FH) Michael Liebig ( Witgert) und Jürgen Simon (Hubert Gerharz GmbH)

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