LINGL SOLEAD auf Kurs

Beim Krumbacher Maschinenbauunternehmen LINGL SOLEAD hat sich in den vergangenen Monaten einiges getan. Kurz vor der Ceramitec in München war zu erfahren, dass LINGL Kooperationsvereinbarungen mit einem niederländischen und einem türkischen Unternehmen geschlossen hat. Auf der Messe wurden Veränderungen in der Geschäftsführung angekündigt. Darüber sowie über Markt- und Technikperspektiven hat die ZI-Redaktion mit den alten und neuen Mitgliedern der Geschäftsführung Thomas Weischer, Alexander Schmid und Hermann Frentzen gesprochen.

Änderungen in der Geschäftsführung

Herr Weischer, was hat sich zum 1. April in der Geschäftsführung von LINGL SOLEAD verändert?

Thomas Weischer (TW): Wir haben einen neuen Kollegen, Herr Schmid, zum 1. Mai als Chief Financial Officer in die Geschäftsführung berufen. Fast gleichzeitig wurde Herr Frentzen aus der Geschäftsleitung abberufen. Er wird aber im Unternehmen bleiben. Er ist weiterhin Hauptgesellschafter. Ich glaube, sein Interesse ist weiterhin groß, dass das Unternehmen in die richtige Richtung geht.

Sind Sie, wie in unserem Interview im Sommer 2025 erwähnt, Gesellschafter geworden?

TW: Ja. Als wir diese Änderungen vor wenigen Wochen notariell haben durchführen lassen, wurde auch die Übertragung der Geschäftsanteile an mich beschlossen.

Herr Frentzen, welche Aufgaben werden Sie jetzt bei LINGL übernehmen?

Hermann Frentzen (HF): Ich möchte meine Seniorität dem Unternehmen noch für ein paar Jahre im repräsentativen und strategischen Bereich zur Verfügung stellen. Dabei stehe ich in ständiger Abstimmung und Übereinkunft mit den beiden Geschäftsführern. Ich werde auch, wie bisher gehabt, Netzwerke und Business Development abdecken und den Kontakt mit Schlüsselkunden pflegen. Nur meine Bezeichnung ändert sich, ich bin jetzt Chief Development Officer. Als Mehrheitsgesellschafter werde ich auch die letzte Entscheidungsinstanz bilden. Aber ich will mich jetzt zurückziehen aus dem operativen Geschäft. Denn hier brauchen wir jüngere Menschen mit mehr Elan und neuen Visionen. Deshalb haben wir diese Entscheidung getroffen.

Auch unter den Mitarbeitern habe ich durch die Rettung und Restrukturierung der vergangenen zwei Jahre eine gewisse Aufmerksamkeit und Vertrauen erworben. Das wollen wir, die Geschäftsführer und ich, in den kommenden Jahren nutzen, um dieses 87 Jahre alte Unternehmen in eine prosperierende Zukunft zu bringen. Ich glaube, da sind wir auf einem ganz guten Weg.

Herr Schmid, welche Aufgaben übernehmen Sie als CFO? Was ist Ihr Werdegang?

Alexander Schmid (AS): Ich verantworte als kaufmännischer Geschäftsführer die zentralen, kaufmännischen Bereiche rund um Finanzen und Controlling, Personal, Einkauf, Beschaffung, IT und so weiter. Insofern teile ich mir die geschäftsführenden Aufgaben mit Herrn Weischer als CEO, der das Unternehmen führt und Vertrieb, Technik und operative Bereiche verantwortet.

Ich bin gebürtiger Rheinländer aus dem Kölner Umland und studierter Betriebswirt. Über die Kunststoff- und Verpackungsbranche bin ich vor acht Jahren zum Maschinen- und Anlagenbau gekommen. Ich habe bei der Hosokawa Gruppe diverse Stationen durchlaufen, unter anderem war ich drei Jahre als Commercial Director in Großbritannien tätig. Aus meinen letzten zwei Jahren als Vice President Sales für die Augsburger Niederlassung von Hosokawa Alpine hatte ich einen Draht zum aktuellen Geschäftsführer der LINGL SOLEAD. Jetzt bin ich seit dem 1.4. offiziell auch an Bord in Krumbach.

Was hat Sie motiviert, zu LINGL SOLEAD zu wechseln?

AS: Erst kamen Herr Weischer und ich vor einer Weile ins Gespräch, dann kam Herr Frentzen hinzu, und daraus entstand die reizvolle Möglichkeit, als kaufmännischer Geschäftsführer die Entwicklung des Unternehmens mitzuentwickeln, zu gestalten und zu begleiten. LINGL ist ein Maschinen- und Anlagenbauer mit einer sehr hohen Kundenorientierung sowie komplexen Kundenprojekten mit hohen Anforderungen. In diesem Bereich, der mir vertraut ist, wollte ich unbedingt bleiben. Die Strategie der LINGL SOLEAD finde ich sehr gut. Diese Kombination aus einflussreichen Aufgaben in einem interessanten Feld hat dazu geführt, dass ich die Chance gern wahrnehmen möchte, da mitzumachen.

 

Stand der Dinge

Befindet sich LINGL SOLEAD weiterhin auf Kurs? Wie verlief das Jahr 2025 verglichen mit dem Vorjahr?

HF: Wir konnten an das ausgeglichene Ergebnis, das wir im Rumpfgeschäftsjahr 2024, vom 1.4. bis 31.12., schon dargestellt haben, in 2025 anknüpfen. Wir haben fast 40 Millionen Gesamtleistungen produziert, damit unser Ertragsziel erreicht und sind sehr zufrieden. Wir haben erstmals in 7 oder 8 Jahren alle variablen Gehaltsbestandteile auszahlen können. Damit ging ein deutlicher Ruck durch die gesamte Mannschaft, das hat mich sehr gefreut. Denn in den vergangenen Jahren gingen sie immer leer aus.

In der Bilanz zeigt sich die gute Entwicklung daran, dass wir das Eigenkapital der LINGL SOLEAD GmbH von 16 auf 30 Prozent verdoppeln konnten. In der konsolidierten Bilanz, also unter Berücksichtigung der Tochterunternehmen in Amerika und England, sind wir mittlerweile bei 45 Prozent Eigenkapital. Das sind in der aktuellen Zeit im Anlagenbau und speziell in der Grobkeramik keine üblichen Werte. Darauf sind wir sehr stolz und wir werden unser Geschäft mit Demut und Zuverlässigkeit fortsetzen.

Wenn wir es schaffen, in den kommenden fünf Jahren einen den Umständen angemessenen, vernünftigen Geschäftsverlauf zu erreichen, wollen wir im deutschen Unternehmen eine Größenordnung von etwa 70 Prozent Eigenkapital erreichen. In der Gruppe dürften wir dann bei etwas über 80 Prozent liegen.

TW: Vor dem Hintergrund der Geschichte von LINGL ist das auch eine klare Aussage an die Kunden, dass wir auf Stabilität setzen und keine Luftschlösser bauen.

Wie ist die Auftragslage des Unternehmens?

TW: Wir sind jetzt zufrieden mit unserer Auftragslage. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, dass meine gefühlte Aussicht sich im vergangenen Jahr kurz vor der Weihnachtsfeier gedreht hat. Damals haben wir die Projektpipeline angeschaut und gesehen, dass zu Jahresbeginn viele Vergaben anstehen. Die Projekte, die wir uns damals wirklich vorgenommen haben, haben wir dann auch einfahren dürfen. Das war ein großartiges Zeichen an das ganze Unternehmen.

In der weiteren Pipeline stehen weitere vielversprechende Projekte. Wir gehen deshalb davon aus, dass wir den für dieses Jahr geplanten Auftragseingang auch erreichen werden. Dabei planen wir realistisch. Wenn ein Projekt nicht kommt, kommt ein anderes und wir können ausgleichen. Die Firma hat in den vergangenen zwei Jahren gezeigt, dass sie das schafft.

Das schafft uns wiederum Vertrauen bei unseren Stakeholdern, also Versicherungen und Banken. An den Avallinien kann man das sehen. Wir konnten diese deutlich steigern, von 12 Millionen zur Zeit der Neuaufstellung auf jetzt 25 Millionen, Tendenz steigend.

Das klingt sehr gut. Wie ist die Marktlage in Mitteleuropa und den USA?

TW: Wir haben in Mitteleuropa schöne Projekte in der Pipeline und neue erhalten. Im Gespräch mit Kunden im vergangenen Jahr haben wir mitbekommen, dass einige ein Licht am Ende des Tunnels sehen. Das hat sich bewahrheitet, auch wenn der Anstieg nicht sehr steil verläuft und sich die Lage nur langsam verbessert. Darauf sind wir aber gut eingestellt.

Auch der Markt in den USA hat sich gut entwickelt. Unsere Befürchtung, dass ein Zollchaos droht, hat sich zum Glück nicht bewahrheitet. Als ich zu Beginn des Jahres dort war, waren die Kunden noch sehr verhalten und wollten abwarten. Inzwischen hören wir, hat sich die Einstellung durchgesetzt, dass es ein höheres Risiko bedeutet, Investitionen, die ja mit guten Gründen geplant und angestoßen worden sind, auf die lange Bank zu schieben, als sie umzusetzen.

 

Strategische Partnerschaften

Vor einigen Monaten war von strategischen Partnerschaften zu lesen. Worin bestehen die Chancen und Risiken? Fangen wir bei Instalat an.

TW: Instalat ist unser Partner in der Verfahrenstechnik im Ofen- und Trocknerbau. Auf der Ceramitec sind wir gemeinsam aufgetreten. Unsere Chance in dieser Zusammenarbeit besteht in externer Kompetenz, die wir nutzen können. Im Zuge der Neuausrichtung von LINGL hat man sich bewusst entschieden, die Verfahrenstechnik für neue Öfen nicht vorzuhalten. Natürlich haben wir noch viel einschlägiges Know-how hier am Standort, aber nicht mehr die Kapazitäten, um alles konstruktiv so und in der Zeit umzusetzen, wie das Projekte verlangen.

Mit Instalat haben wir einen Partner gefunden, um bei solchen Projekten gemeinsam ins Rennen zu gehen. Diese Partnerschaft ist nicht exklusiv und auch keine Zwangsverpflichtung. Aber wir stimmen uns ab und werden bei bestimmten Projekten gemeinsam ins Rennen gehen.

Gibt es schon erste Projekte mit Instalat?

TW: Ja, wir gehen derzeit gemeinsam ein Großprojekt im Norden Deutschlands an. Weitere Projekte gibt es in Mittelasien.

Was bezweckt LINGL mit der Partnerschaft mit Clay Tech?

TW: Wir haben uns mit der mit Clay Tech geschlossenen Partnerschaft für den türkischen Markt und perspektivisch auch den Markt der Turkstaaten erweitert. Clay Tech ist Lieferant für die Nassseite und hat in diesem Bereich in der Türkei ein sehr gutes Netzwerk. Mittels gemeinsamer Projekte öffnet sich für uns die Tür dorthin. Clay Tech wiederum stärkt die eigene Position auf dem türkischen Markt, indem sie einen starken Engineering-Partner für die Gesamtleistung mitbringen. So ergibt sich eine Win-win-Situation.

Dieser Markt ist potenziell interessant, weil sich abzeichnet, dass es in naher Zukunft einige Projekte geben kann, bei denen auch neue Tunnelöfen im Angebot sein werden. Hintergrund ist, dass dort noch viel mit Hoffmann-Öfen gearbeitet wird. Wir haben in vielen Gesprächen mit Zieglern in der Türkei erfahren, dass Öfen und Trockner sehr wichtige Investitionsziele sind. Wir sind im Gespräch mit Instalat, wie wir dort gemeinsam auftreten können. Bei solchen Themen sind auch das Handling um Ofen und Trockner sowie die Logistik wichtige Faktoren. Da kommen wir ins Spiel. Das passt alles sehr gut zusammen.

Wir haben auch schon einiges angestoßen. Anfang des Jahres haben wir in Nordzypern gemeinsam mit Clay Tech ein großes Symposium für türkische Ziegler veranstaltet. Daraus sind viele Anfragen hervorgegangen.

Weitere Märkte

Haben Sie noch weitere Märkte im Visier?

TW: Neben den genannten Märkten sind Indien und Südostasien derzeit Wachstumstreiber in der Bauindustrie. Die schauen wir uns ganz genau an. Das sind Märkte mit völlig anderen Herausforderungen, die man ganz genau berücksichtigen muss. Es wird in Indien natürlich ein anderes Preismodell geben müssen. Auch in der Technik wird es, denke ich, einen Zwischenschritt geben, bevor sie zu dem Niveau, das in Europa besteht, aufschließen werden. Wir sind schon im Gespräch mit indischen Zieglern und waren dort auf Messen.

Das ist ein sehr heterogener Markt, nicht wahr?

TW: Ja, da gibt es noch viele Ziegler, die noch nicht einmal einen Ringofen nutzen, sondern im Feldbrandverfahren arbeiten. Aber es gibt auch viele Produzenten, die schon sehr stark technisch und organisatorisch vorangehen. Wir haben einen besucht, der sich selbst als größten Ziegelhersteller Indiens bezeichnet, und der Vormauerziegel nach Europa exportiert. Der nutzt Technik auf europäischem Niveau. Mit solchen Kunden kommen wir schnell und auf technischer Augenhöhe ins Gespräch.

Was ist dort von Interesse?

TW: Aktuell wächst in Indien das Interesse an Automatisierung, weil die Personalkosten steigen. Das sind noch keine Dimensionen wie in Europa. Bei einem Ziegler in Indien arbeiten noch 800 Leute. Aber der Prozess beginnt.

Ist das ein Markt mit Potenzial für LINGL?

TW: Ja, den müssen wir uns anschauen und dann werden wir entscheiden, wie wir einsteigen werden. Ob, das ist weniger die Frage.

 

Technische Themen

Was für technische Themen verfolgen Sie aktuell?

TW: Das Thema Vorfertigung im Werk für den Bau, da sind sich alle einig, wird am Markt zukünftig eine große Rolle spielen. Denn Vorfertigung kann die Geschwindigkeit und Qualität, mit der gebaut wird, erhöhen und Fachkräftemangel kompensieren. Diese drei Gründe forcieren das Interesse und wir sind mit unserer Riemchenverlegeanlage, die wir in den Niederlanden installiert und auch auf der Ceramitec gezeigt haben, gut auf dem Spielfeld positioniert.

Gibt es dafür Interessenten?

TW: Ja, wir stehen in Gesprächen mit einigen Unternehmen. Die Firma Spaansen, Pioniere in diesem Bereich, lasten ihre Anlage, die wir vor drei Jahren installiert haben, komplett aus und fragen eine zweite an. Auf dem englischen Markt gibt es auch Anfragen, ebenso in den USA. Die sind ein sehr großer Markt für Verblend- und Vormauerwerk. Wir stehen mit einem großen amerikanischen Hersteller in Kontakt, der Interesse hat.

Das Schöne an diesem System zur Riemchenverlegung ist, dass es sich sehr gut skalieren lässt. Man kann mit dem Herzstück, dem Verlegeroboter anfangen. Die Logistik und Automatisierung darum herum lässt sich Stück für Stück nachinstallieren. So lässt sich das Investitionsrisiko minimieren.

Ich habe inzwischen gelernt, welches hohe Kompetenzniveau LINGL bei Robotik, Automatisierungstechnik und Programmierung besitzt. Das bietet Potenzial, Vorfertigung auch über den Ziegel hinaus anzubieten. Unsere Vision als LINGL SOLEAD ist, dass wir am Markt als Partner der Bau- und Baustoffindustrie sowie, Bauzuliefererindustrie wahrgenommen werden. Aber LINGL wird das grobkeramische Knowhow immer bewahren. Das ist die DNA des Unternehmens.

Meine Herren, ich bedanke mich sehr für das Gespräch.

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