1819 bis 2019

200 Jahre Wienerberger – von der Ziegelei zum Systemanbieter

2019 feiert Wienerberger sein 200-jähriges Bestehen. In dieser Zeit hat sich das Unternehmen von einer Wiener Ziegelei zu einem global agierenden Baustoffproduzenten entwickelt, der innovative Lösungen für die Gebäudehülle und eine smarte Infrastruktur anbietet.

Es kommt auf den Standort an! Dass dies entscheidend ist, zeigt die Geschichte von Wienerberger.

Die reichen Tonvorkommen am südlichen Stadtrand sind ausschlaggebend für den Hauptstandort in Wien, Österreich, wo Wienerberger auch heute noch seinen Sitz hat. Wien ist Anfang des 19. Jahrhunderts schon eine Stadt mit reger Bautätigkeit. Der Bauingenieur Alois Miesbach erkennt das und übernimmt 1819 eine alte staatliche Ziegelei in Wien-Meidling. Zwei Jahre später pachtet er Grundstücke und weitere Ziegelöfen auf dem Wienerberg und legt so den Grundstein für das heute global agierende Unternehmen Wienerberger AG.

Wachstum des Ziegelwerkes

Dem visionären Unternehmer Alois Miesbach ist es innerhalb einer Generation gelungen, aus einem lokalen Familienunternehmen eine der größten Ziegeleien Europas zu machen, die bis 1845 jährlich 50 Mio. Ziegel produziert. Die Produktionsstätte am Wienerberg, einem Vorort südlich von Wien, umfasst 37 Öfen, rund 200 Trockenplätze im Freien und mehr als 100 Trockenhallen für Tonziegel und Dachziegel.

Miesbach profitiert von der enormen Nachfrage nach Ziegeln in der schnell wachsenden Stadt Wien. Im Jahr 1855 beträgt das gesamte Produktionsvolumen über 126 Mio. Ziegel. Alois Miesbach kauft aber nicht nur Ziegelwerke, sondern hat eine unternehmerische Vision. Er investiert in Kohlebergwerke und Immobilien und optimiert seine Logistik, um den Transport von Kohle, Ton und Fertigprodukten zwischen seinen Produktionsstätten und Wien, als größtem Absatzmarkt, zu sichern.

1857 übernimmt Heinrich Drasche die Geschäfte seines Onkels. Er gilt als einer der einflussreichsten und erfolgreichsten Wirtschaftsgrößen der österreichisch-ungarischen Monarchie. Auch Drasche investiert in Immobilien. Der Bau der Wiener Ringstraße als neuer Prachtboulevard löste einen Bauboom aus. 1860 führt Heinrich Drasche eine wesentliche Innovation ein: den Hoffmann’ schen Ringofen. Drasche erkennt frühzeitig dessen potenzielle Vorteile und erwirbt das Patent zwei Jahre später. 1864 beginnt Heinrich Drasche, alle seine Fabriken mit diesen effizienten Öfen nachzurüsten. Aufgrund dieser erfolgreichen industriellen Entwicklung wandelt Drasche das Ziegelunternehmen in eine Aktiengesellschaft um. 1869, vor genau 150 Jahren, wird Wienerberger erstmals an der Wiener Börse notiert.

Wirtschaftliche Erholung nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sind die meisten Wienerberger-Produktionsanlagen südlich von Wien zerstört.

Ab 1947 erfolgt der langsame Wiederaufbau. Die Nachkriegsjahre sind geprägt von einer beginnenden Automatisierung, Rekordinvestitionen und Rekordproduktionsvolumina für den Wiederaufbau Wiens. Neben der Herstellung von Lochziegeln führt die Pionierarbeit von Wienerberger in den 1950er-Jahren zur Installation moderner Tunnelöfen. In den folgenden Jahren produziert Wienerberger Ziegel in größeren Formaten, um die Bauarbeiten zu beschleunigen und setzt neue Maßstäbe in der Wärmedämmung.

Umfassende Lösungen – vom Ziegel über den Mörtel bis hin zum Mauerwerk – erleichtern die Planung und heben die Qualität der Bauarbeiten auf ein neues Niveau. Die Einführung von präzisionsgeschliffenen Ziegeln ist ein weiterer Meilenstein, der die Erstellung von Ziegelmauerwerk einfacher und kostengünstiger macht.

Entwicklung zum Global Player

Ende der 1980er-Jahre beginnt mit der Internationalisierung ein neues Kapitel in der Geschichte von Wienerberger.

Nach der Übernahme der deutschen Oltmanns-Gruppe expandiert das Unternehmen in den 1990er-Jahren in Mittelosteuropa, Süd- und Westeuropa. In dieser spannenden Zeit der Unternehmensgeschichte werden das Joint Venture Pipelife für das Kunststoffrohrgeschäft gegründet, das Keramikrohr- sowie das Vormauerziegelgeschäft ausgebaut, und das Unternehmen steigt in den Betonsteinmarkt ein.

Mit der Übernahme von General Shale, einem führenden Ziegelproduzenten in den USA, macht Wienerberger 1999 den ersten Schritt zum Global Player. Wenige Jahre später tritt das Unternehmen in den kanadischen Markt ein.

Ein weiterer strategischer Meilenstein ist der Einstieg in den Dachbereich durch die Akquisition von Koramic im Jahr 2003. Dieser Geschäftsbereich wird in den Folgejahren kontinuierlich ausgebaut.

Anfang der 2000er-Jahre entwickelt sich Wienerberger zu einem Weltmarktführer bei Ziegeln und zum zweitgrößten Hersteller von Dachziegeln.

Ein sich veränderndes Marktumfeld

Im Zuge der Weltwirtschaftskrise schlägt Wienerberger im Jahr 2009 einen neuen Kurs ein.

Eine umfassende Restrukturierung innerhalb des Unternehmens bildet die Grundlage für die erfolgreiche Anpassung an ein neues Marktumfeld. Der Fokus des Unternehmens liegt auf organischem Wachstum. Kundennähe, effiziente Prozesse und innovative Produkte wie isoliergefüllte Ziegel mit hervorragenden Wärmedämmeigenschaften oder das Dryfix-Klebesystem für Mauerwerke sind dabei wichtige Wachstumstreiber.

Im Jahr 2012 übernimmt Wienerberger den Kunststoffrohrspezialisten Pipelife und zwei Jahre später die restlichen Anteile am Dachziegelhersteller Tondach Gleinstätten.

Die wichtigsten Ziele von Wienerberger sind die Stärkung der Präsenz in schnell wachsenden Märkten. Im Jahr 2018 erwirbt das Unternehmen den niederländischen Ziegelproduzenten Daas Baksteen, den norwegischen Rohrspezialisten Isoterm und das rumänische Pflasterwerk Nadab.

Dabei fokussiert sich Wienerberger auf Unternehmen mit margenstarken Produkten, die sich schnell in das bestehende Portfolio integrieren lassen. Gleichzeitig werden nichtstrategische und gemeinnützige Geschäftsfelder verlassen. Ein wichtiger Schritt zur Portfoliooptimierung ist der Verkauf von Semmelrock Austria. In diesem Bereich konzentriert sich Wienerberger auf das hochprofitable Geschäft in den osteuropäischen Wachstumsmärkten, das sich sehr gut entwickelt.

Wienerberger setzt seine Schwerpunkte auf die Erhöhung der Profitabilität und die Steigerung der Organisationseffizienz: Ziel ist es, weniger konjunkturabhängig zu sein.

In jüngster Zeit werden Joint Ventures mit Start-ups wie Interbran und Fastbrick Robotics eingegangen. Diese ermöglichen es dem Unternehmen, sein Produktportfolio zu erweitern.

Die Wienerberger Strategie 2020

Heute ist die Vision von Wienerberger, der renommierteste Hersteller von Baustoffen und Infrastrukturlösungen und der bevorzugte Arbeitgeber in seinen Märkten zu sein. Mit der Wienerberger Strategie 2020 soll sichergestellt werden, dass diese Ziele erreicht werden können.

Wienerberger sieht sich als ein Marktführer für intelligente Lösungen und als Pionier bei der Digitalisierung in der Branche. Neue Technologien, wie z.B. Concept Visualization Apps, erleichtern den Kunden die Entscheidungsfindung. Webshops für Händler sowie digitale Planungs- und Ausschreibungssoftware revolutionieren die Gebäudeplanung. Wienerberger fördert Initiativen für Industrie 4.0.

Der Fokus des Unternehmens liegt auf organischem Wachstum, operativer Exzellenz und einem starken Portfolio.

Was 1819 mit dem Erwerb einer Ziegelei am Wienerberg begonnen hat, hat sich zwei Jahrhunderte später zu einem weltumspannenden Konzern mit 195 Produktionsstandorten gruppenweit in 30 Ländern entwickelt. Wienerberger gilt als der größte Ziegelproduzent weltweit, als die Nr. 1 bei Tondachziegeln in Europa und als Marktführer bei Betonpflastersteinen in Zentral-Osteuropa und bei Rohrsystemen in Europa.

Im ersten Halbjahr 2019 meldete das Unternehmen neue Rekordwerte bei Umsatz und Ergebnis. Dabei erwirtschaftet Wienerberger bereits knapp ein Drittel des Gesamtumsatzes mit innovativen Lösungen und Dienstleistungen. Diese reichen von vorgefertigten Wandelementen nach digitalen Bauplänen über individuelle Elektrolösungen im Bereich Gebäudetechnik bis hin zu neuartigen Werkstoffen und smarten Lösungen für die Herausforderungen des Klimawandels.

2020 wird das Unternehmen in einen Neubau umziehen, der an der Fassade den Ziegel spektakulär in Szene setzt und auch energetisch überzeugt.

In Sachen Gleichberechtigung ist Wienerberger ein Vorbild: Seit Juni 2019 verstärkt mit Solveig Mennard-Galli als Chief Performance Officer, eine Frau an der Seite von CFO Willy Van Riet und CEO Heimo Scheuch den Wienerberger-Vorstand.

Wienerberger AG
www.wienerberger.com

Brick Award: Ziegelarchitektur hat Tradition

Die Zusammenarbeit mit bekannten Architekten hat bei Wienerberger eine lange Tradition. Der im 19. Jahrhundert von Heinrich Ferstel entworfene Triumphbogen der Wienerberger Ziegelfabriks- und Baugesellschaft sorgte auf der Wiener Weltausstellung 1873 für Aufsehen. Theophil Hansen, der als einer der wichtigsten Architekten der Wiener Ringstraße gilt, verwendete für das Reichratsgebäude (Parlament) in Wien erstmals Meterziegel von Wienerberger.

Seit 2004 zeichnet Wienerberger mit dem Architekturpreis Brick Award, der alle zwei Jahre verliehen wird, herausragende Ziegelarchitektur aus und setzt damit die Tradition eindrucksvoll fort. 2018 wurden fast 600 Projekte aus 50 Ländern eingereicht.

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