2012 – Herausforderungen und Chancen

Eingeschränkte Visibilität – so bezeichnen Unternehmen in ihren Geschäftsberichten die Tatsache, dass der Blick in die Zukunft noch schwierig ist. Man braucht nur die Zeitung aufzuschlagen oder die Fernsehnachrichten anzuschauen, um bestätigt zu bekommen, dass wir zu Beginn des Jahres 2012 mit gewaltigen Herausforderungen konfrontiert sind. Und diese machen einen einigermaßen sicheren Blick in die Zukunft – ja schon in das nächste halbe Jahr – unmöglich.

Dabei steht Deutschland im Vergleich zu anderen Staaten noch gut da, wobei selbst hier für den Anfang des Jahres eine leichte Rezension vorhergesagt wird. Angesichts der gewaltigen Zuwächse des Bruttosozialproduktes in den Vorjahresquartalen ist dies aufgrund des Basiseffektes aber auch kein Wunder. Jedoch, selbst wenn sich die wirtschaftliche Lage generell etwas eintrüben sollte, dürfte der Wohnungsbau, von dem die Ziegelindustrie im Wesentlichen abhängt, davon fast unberührt bleiben. Nachdem über 15 Jahre lang zu wenig gebaut wurde, gibt es vor allem in prosperierenden Ballungsgebieten, aber auch zum Beispiel in Universitätsstädten, erhebliche Nachfrageengpässe. Da die gesamte Bauwirtschaft, angefangen von den Produzenten der Baustoffe, über die Fuhrunternehmen, die Gerüstbauer bis hin zu den Verarbeitern, ihre Kapazitäten heruntergefahren haben, ist auch diese Nachfragelücke nicht schnell und einfach zu beheben. Die Angst vor einer einsetzenden Inflation und die Gefahr von Turbulenzen um den Euro treiben die Anleger zusätzlich in Sachwerte wie Immobilien. Aus diesem Grunde kann man trotz der vorherrschenden Unsicherheit fast sicher davon ausgehen, dass für die Ziegelindustrie in Deutschland auch im Jahre 2012 erhebliche Chancen bestehen, das Absatzvolumen zu halten oder sogar leicht auszubauen.

Mittelfristig könnte diese Flucht in die Sachwerte auch anderen großen europäischen Ländern wie Großbritannien, Frankreich und Italien helfen, ihre derzeitige Baukrise zu überwinden. In diesen Ländern wurde kein zu großer Bestand von Neubauruinen geschaffen, im Gegensatz zu Spanien beispielsweise, wo die Lage ziemlich hoffnungslos ist. Gerade auch die nach wie vor erhebliche Zuwanderung in manchen Ländern wird diesen helfen, den Wohnungsbau wieder zu aktivieren.

2012 feiert die Ziegelindustrie Europas ein Jubiläum: Unser europäischer Dachverband TBE wird 60 Jahre alt. Bereits jetzt möchten wir Sie darauf hinweisen, dass zu diesem Anlass alle Ziegler Ende September zur Mitgliederversammlung nach Brüssel eingeladen sind. Es besteht dann Gelegenheit, in Kontakten mit Vertretern des Europäischen Parlaments und der Kommission auf die besonderen Probleme, aber auch auf die Leistungen unserer Branche hinzuweisen.

Abschließen möchte ich mit dem Wunsch, dass das Jahr 2012 besser wird als erwartet. Wie die Neurobiologen festgestellt haben, ist das Übertreffen der Erwartungen die wahre Definition des Glücks.

 

Ihr

Martin Roth, Hauptgeschäftsführer des

Bundesverbandes der Deutschen Ziegelindustrie e.V.

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