05.03.2009: Finanz- und Wirtschaftskrise prägen Wienerberger Geschäftsjahr 2008

Die Wienerberger AG musste 2008 aufgrund der deutlichen Verschlechterung der makroökonomischen Rahmenbedingungen durch die Finanzkrise Rückgänge in den Ergebnissen verzeichnen. Der Konzernumsatz war mit -2 % auf 2.430,1 Mio. € leicht rückläufig. Das operative EBITDA vor Restrukturierungen fiel um 20 % auf 440,1 Mio. € und das operative EBIT vor Restrukturierungen um 32 % auf 239,8 Mio. €. Dazu kamen außerordentliche Belastungen aus Restrukturierungen von 55 Mio. €, Firmenwertabschreibungen von 16,7 Mio. € vornehmlich aus Großbritannien sowie eine Rückstellung in der Höhe von 10 Mio. € in Folge eines nicht rechtskräftigen Bußgeldbescheides der deutschen Kartellbehörden. Das vierte Quartal entwickelte sich erwartungsgemäß deutlich schwächer als die Monate davor. Von Oktober bis Dezember 2008 ging der Umsatz im Vergleich zum besonders starken Vorjahr um 15 % auf 503,3 Mio. €, das EBITDA um 41 % auf 75,4 Mio. € sowie das EBIT um 60 % auf 27,4 Mio. € zurück.

 

Westeuropa ab April von Finanzkrise erfasst; Auswirkungen auf Osteuropa erst gegen Ende des Jahres

„Anfang 2008 zeigte sich der Bausektor in Westeuropa noch stabil, in Osteuropa konnten Zuwächse erzielt werden. Das Übergreifen der Finanzkrise auf Europa führte vorerst in Großbritannien zu einem Einbruch des lokalen Wohnungsneubaus, im weiteren Jahresverlauf wurden auch die meisten westeuropäischen Länder von den negativen Auswirkungen der Krise auf die Wirtschaft und die Baukonjunktur erfasst. Osteuropa wies über weite Teile des Jahres ein gutes Niveau auf. Erst in den letzten Monaten zeigte sich, dass sich die Krise auch auf diese Region auswirkt. Das EBITDA im Segment Zentral-Osteuropa war mit -7 % leicht rückläufig. Allerdings ist dieses Ergebnis im Vergleich zum extrem guten Niveau des Vorjahres noch immer sehr positiv, insbesondere durch die anhaltende Stärke Polens. Die Entwicklung in Nordamerika war schlechter als erwartet (-57 % im EBITDA). Der enttäuschende Wohnungsneubau in Deutschland sowie zunehmender Preisdruck in Italien belasteten das Ergebnis in Zentral-Westeuropa (-44 % EBITDA). Durch zusätzliche Rückgänge in Großbritannien, die das Ergebnis in Nord-Westeuropa (-22 % EBITDA) negativ beeinflussten, mussten wir daher wie erwartet ein um 20 % schwächeres operatives EBITDA im Vergleich zum Vorjahr hinnehmen“, erläutert Wolfgang Reithofer, Vorstandsvorsitzender der Wienerberger AG die heute präsentierten vorläufigen Zahlen. Ingesamt fiel der Umsatz 2008 um 2 %, beeinflusst durch einen Mengenrückgang von 4 % sowie einen Preiseffekt von plus 2 %.

 

Maßnahmen zur Kapazitätsanpassung umgesetzt: 27 Werke außer Betrieb genommen und 11 Produktionslinien temporär stillgelegt

„2008 markierte einen klaren Wendepunkt: Die Krise hat zu einer extremen Verunsicherung an den Finanzmärkten aber auch – und das ist viel bedeutender – in der realen Wirtschaft und bei Konsumenten geführt. Wir haben rasch die richtigen Schritte gesetzt und ein umfassendes Maßnahmenpaket umgesetzt. Seit dem Sommer 2008 haben wir insgesamt 27 Werke außer Betrieb genommen und 11 Produktionslinien temporär stillgelegt. Zusätzlich haben wir im Rahmen eines Kostensenkungsprogramms die Verwaltungs- und Vertriebskosten der Gruppe reduziert. Die Kosten dafür beliefen sich auf insgesamt 55 Mio. €, davon 33 Mio. € ausgabenwirksam und 22 Mio. € an Sonderabschreibungen. Umfangreiche Werksstillstände in der Winterperiode waren Bestandteil unseres aktiven Working Capital Managements. Darüber hinaus haben wir unser Wachstumsprogramm auf Eis gelegt. Wir haben keine neuen Projekte gestartet und bringen nur mehr die laufenden zu Ende – dafür haben wir 2008 407,2 Mio. € investiert. Zusätzlich konnten wir die Kosten für Instandhaltung im Vergleich zum Vorjahr auf 98,4 Mio. € reduzieren“, führt der Vorstandsvorsitzende weiters aus. Im Rahmen der im Sommer 2008 beschlossenen Strategieanpassung der Wienerberger AG wurden der Erhalt der Liquidität und die Sicherung der gesunden finanziellen Basis als oberste Priorität definiert. Zentraler Steuerungsmechanismus zur Erreichung dieser Ziele ist die Maximierung der Cash-flows, welche durch die umgesetzten Maßnahmen gewährleistet wird. Willy Van Riet, Finanzvorstand der Wienerberger AG ergänzt dazu: „In Zeiten wie diesen wird Liquidität auch weiterhin wichtigstes Ziel bleiben. Wir haben einen Refinanzierungsbedarf von 429 Mio. € bis Ende 2011. Durch liquide Mittel und kommittierte, unausgenützte Kreditlinien haben wir diesen bereits jetzt gesichert.“

 

Höhe der Dividende deutlich unter der des Vorjahres

„Das vergangene Jahr war äußerst herausfordernd. Dennoch planen wir unseren Aktionären eine Dividende auszuschütten. Über die Höhe der Dividende werden wir mit Vorliegen des Jahresabschlusses 2008 entscheiden, diese wird jedoch deutlich unter der des Vorjahres liegen“, kündigt Reithofer den Eigentümern an. Der endgültige Dividendenvorschlag, das Finanzergebnis sowie das Ergebnis vor und nach Steuern werden mit der Bilanz am 17. März 2009 präsentiert.

 

Umsatz- und Ergebnisrückgang im 4. Quartal 2008

In den letzten drei Monaten des abgelaufenen Jahres ist der Konzernumsatz um 15 % auf 503,3 Mio. €, das EBITDA um 41 % auf 75,4 Mio. € sowie das EBIT um 60 % auf 27,4 Mio. € zurückgegangen. Das Segment Nordamerika verzeichnete einen um 30 % geringeren Umsatz von 50,9 Mio. € sowie ein um 64 % geringeres EBITDA von 2,3 Mio. € im Vergleich zum bereits niedrigen Niveau des Vorjahres. Die schwache Entwicklung der Baukonjunktur in Deutschland sowie der Preisdruck in Italien führten in Zentral-Westeuropa zu Rückgängen sowohl im Umsatz (-32 % auf 65,3 Mio. €) als auch im EBITDA (-45 % auf 6,2 Mio. €). Die Ergebnisse in Nord-Westeuropa waren durch den eingebrochenen Markt in Großbritannien geprägt. Der Umsatz fiel um 24 % auf 174,4 Mio. € und das EBITDA um 53 % auf 19,0 Mio. €. Aufgrund der Finanzkrise und der Abschwächung der Marktdynamik in den osteuropäischen Ländern reduzierten sich im Segment Zentral-Osteuropa erstmals der Umsatz zwischen Oktober und Dezember 2008 um 10 % auf 178,9 Mio. € und das EBITDA um 28 % auf 52,8 Mio. €.

 

Weitere Verschlechterung der Realwirtschaft 2009 erwartet

Wienerberger erwartet, dass die Finanzkrise die Entwicklung der Realwirtschaft auch 2009 maßgeblich negativ beeinflusst, und zu einer weiteren Verschlechterung der Volkswirtschaften führen wird. In Zentral-Osteuropa, das erst in den letzten Monaten von der Krise erfasst wurde, rechnet das Unternehmen dieses Jahr mit einer deutlich schwächeren Marktentwicklung. Durch den strategischen und erlösorientierten Einsatz hochwertiger Produkte sollte es jedoch in diesen Ländern möglich sein sich besser als der Mitbewerb zu entwickeln. Auch in den Märkten Nord-Westeuropas wie Belgien und den Niederlanden erwartet Wienerberger eine Abschwächung. Rückgänge im Wohnungsneubau in Frankreich sollten durch weitere Marktanteilsgewinne des Hintermauerziegels gegenüber Beton gemildert werden können. In Großbritannien zeichnet sich nach dem Kollaps des Baumarktes auch für 2009 keine Erholung ab. Aus heutiger Sicht ist auch im Segment Zentral-Westeuropa durch die schwache Entwicklung in Deutschland und den starken Preisdruck in Italien kein Aufwärtstrend erkennbar. Für Nordamerika wird ein weiterer Rückgang der Neubautätigkeit prognostiziert.

 

Oberste Priorität: Erhalt der Liquidität und Sicherung der finanziellen Basis

„Fast täglich revidierte Wirtschaftsprognosen machen deutlich, dass der Boden der Krise noch nicht erreicht wurde. Wie lange und wie tief diese sein wird, ist daher aus heutiger Sicht nicht vorhersehbar. Wir erachten den Erhalt der Liquidität sowie unserer gesunden finanziellen Basis weiterhin als wichtigste Aufgabe. Darauf haben wir bereits im vergangenen Jahr unsere Strategie ausgerichtet und die Maximierung der Cash-flows als oberste Priorität definiert. Dieses Ziel werden wir auch 2009 verfolgen, klare Maßnahmen setzen und unser Werksnetz durch weitere Stillstände an die Markt- und Absatzgegebenheiten anpassen. Darüber hinaus liegt unser Augenmerk weiterhin auf aktivem Working Capital Management und der Reduktion der Fixkosten. Für Instandhaltung haben wir dieses Jahr nicht mehr als 80 Mio. € und für die Fertigstellung bereits begonnener Wachstumsprojekte maximal 100 Mio. € vorgesehen. Ich bin überzeugt, dass wir mit dieser Strategie solide aufgestellt sind, um die Krise zu meistern“, so Reithofer abschließend.

 

 

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