11.04.2011 News: In Höhr-Grenzhausen entsteht europäisches Kompetenzzentrum für Feuerfest-Keramik

Der Spatenstich für den Neubau des Europäischen Instituts für feuerfeste Keramik (ECREF = European Centre for Refractories) in Höhr-Grenzhausen im November 2010 signalisierte den Start für ein europaweit einmaliges Kompetenzzentrum. Parallel zum Neubau des ECREF wird das Forschungsinstitut für anorganische Werkstoffe Glas/Keramik erweitert. Gemeinsam mit der Fachrichtung Werkstofftechnik der Fachhochschule Koblenz und dem CeraTechCenter bilden die beiden Institute künftig einen Schwerpunkt innerhalb des Bildungs- und Forschungszentrums Keramik (BFZK) e.V. und etablieren so geballtes keramisches Wissen auf engstem Raum.

 

Das ECREF steht für innovative Keramik - von der traditionellen Nutzung hin zu den hochtechnologischen Anwendungsfeldern, vom einfachen Schamotteerzeugnis hin zu Hightech-Produkten aus synthetischen Rohstoffen. In einem Umkreis von 50 Kilometern von Höhr-Grenzhausen, dem keramischen Fokus des Innovationsclusters, sind rund 30 zur Feuerfest-Industrie zählende Betriebe angesiedelt. "Die Region hat sich somit zum Drehpunkt der europäischen Feuerfest-Industrie entwickelt", erklärt Professor Peter Quirmbach, Geschäftsführer des ECREF. "Für diese wichtige Schlüsseltechnologie wird das ECREF mit seinem Gesamtlösungsansatz in Zukunft als das Zentrum feuerfesten Wissens zur Verfügung stehen."

Ziel des ECREF ist die europaweite Förderung von Wissenschaft und Forschung im Bereich feuerfester Erzeugnisse. Hierfür sind die Aktivitäten des Verbandes der Deutschen Feuerfest-Industrie, der Forschungsgemeinschaft Feuerfest e.V. und des Deutschen Instituts für Feuerfest und Keramik unter einem Dach zusammengefasst. Eng verzahnt wird die Arbeit zudem mit dem europäischen Feuerfest-Dachverband PRE in Brüssel. Als Innovationszentrum erfüllt das ECREF seine Aufgaben gemeinsam mit den in der Region ansässigen Unternehmen. Dazu zählen unter anderem die Unterstützung von anwendungsnahen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten, berufsbegleitende Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen sowie das Angebot, Fachkongresse und Symposien durchzuführen. Um die Forschungs- und Entwicklungskapazitäten sowie das Lehrangebot gezielt zu stärken, wurde 2009 eine Stiftungsprofessur für Feuerfeste Werkstoffe und Anorganische Bindemittel am Standort Höhr-Grenzhausen der FH Koblenz eingerichtet. Die Unternehmen profitieren davon, dass personelle, materielle und ideelle Ressourcen kontinuierlich weiterentwickelt werden und sich eine innovationsfördernde Wirtschaftsregion ausbildet.

 

Das Komplettangebot des ECREF und seiner Institutionen umfasst die konzentrierte Sammlung, Bereitstellung und Erweiterung von Know-how, um dem gesamten Wirtschaftszweig sowie den Anwendern von Feuerfest-Produkten einheitlich hohe Standards im Qualitätsmanagement und in der Prozesshomogenität zu ermöglichen. Innerhalb der Deutschen Institut für Feuerfest und Keramik GmbH als unabhängigem Prüflaboratorium werden Werkstoff- und Prozessuntersuchungen durchgeführt - nach neuesten Erkenntnisständen und kundenspezifischen Vorgaben. Alle Mitarbeiter sind Spezialisten aus den Bereichen Physik, Chemie und Mineralogie sowie Werkstoffprüfung und -technologie. Aktuell werden mehr als 100 Verfahren - standardisiert und normiert - mit einem Umfang von etwa 15.000 Prüfungen pro Jahr angewandt.

 

Daneben ist das ECREF bei der Entwicklung vieler Normen und Standards beteiligt und unterstützt die Interessen des Normenausschusses für Materialprüfung im Deutschen Institut für Normung vor den internationalen Normungsausschüssen. Durch ständige Optimierung befindet sich die eingesetzte Prüftechnik auf höchstem Niveau. Professor Quirmbach dazu: "Angesichts der Problemstellungen, die aus der Industrie an uns herangetragen werden, sind wir herausgefordert, fortlaufend neue oder verbesserte Prüfmethoden und -gerätschaften zu entwickeln. Auf diese Weise erweitern wir permanent unser eigenes Angebot und erschließen gleichzeitig neue Märkte." So entwickelten die ECREF-Techniker gemeinsam mit der Fraunhofer-Gesellschaft ein neues Verfahren zur Hochtemperatur-Wärmeleitfähigkeit, um Materialdaten für Temperaturen bis zu 1.700 Grad Celsius zu bestimmen - bisherige normierte Methoden arbeiten nur bis maximal 1.200 Grad Celsius.

 

In vielen wichtigen Wirtschaftszweigen spielt die Feuerfest-Industrie eine zentrale Rolle. Feuerfeste Werkstoffe sind unverzichtbar für alle industriellen Prozesse, die höhere Temperaturen erfordern: Angefangen bei der Stahl- und Metallherstellung, über die Gießereiindustrie, weiter zur Herstellung und Bearbeitung von Glas, Keramik und Kunststoffen bis hin zur Herstellung von Baustoffen wie zum Beispiel Zement. Aber auch so wichtige Bereiche wie Energieerzeugung und Recycling gehören dazu. Als wichtiger Teil des Innovationsclusters Metall-Keramik-Kunststoff stellt das ECREF einen bedeutenden Baustein in der Weiterentwicklung der Wirtschafts- und Forschungsregion im nördlichen Rheinland-Pfalz dar. Mit dem Umzug des ECREF von Bonn in den Westerwald und seine Integration in den BFZK e.V. entwickelt sich Höhr-Grenzhausen zum Herz der europäischen Feuerfest-Industrie. Ab Mitte 2012 wird hier auf neuen Feldern und höchstem Niveau geforscht sowie neue Verfahren und Systeme entwickelt.

 

Innovationscluster Metall-Keramik-Kunststoff

Der Innovationscluster Metall-Keramik-Kunststoff ist ein wichtiges Projekt der rheinland-pfälzischen Wirtschaftspolitik in Zusammenarbeit mit den Wirtschaftsförderungsgesellschaften der Landkreise Altenkirchen, Neuwied und Westerwald. Die Branchen Metall, Keramik, Kunststoff und die Oberflächentechnik sind Schwerpunktbranchen im nördlichen Rheinland-Pfalz. Innerhalb dieses Wirtschaftszweiges befinden sich hier über 250 Unternehmen mit mehr als 25.000 Arbeitsplätzen. Ziel der Clusterinitiative ist die Vernetzung der Innovationspotenziale und die Bündelung der Kompetenzen aus Universitäten, Fachhochschulen, ortsansässigen Forschungseinrichtungen sowie den Unternehmen der Region, um innovative Produkte und Prozesse bis zur Marktreife zu entwickeln und somit zukunftsfähige Arbeitsplätze zu erhalten und zu generieren.

 

Weitere Informationen unter www.metall-keramik-kunststoff.de

 

ECREF

Das European Centre for Refractories (ECREF), das derzeit in Höhr-Grenzhausen entsteht, fungiert als europäisches Kompetenzzentrum, um die Wissenschaft und Forschung sowie Erziehung und Berufsbildung im Bereich der feuerfesten Erzeugnisse europaweit zu fördern. Diese Ziele werden gemeinsam mit dem Verband der Deutschen Feuerfest-Industrie e.V., der Forschungsgemeinschaft Feuerfest e.V. und dem Deutschen Institut für Feuerfest und Keramik sowie dem europäischen Feuerfest-Dachverband PRE mit Sitz in Brüssel umgesetzt. Bei der Unterstützung von anwendungsnahen und grundlagenorientierten Forschungs- und Entwicklungsarbeiten stehen besonders die Bedürfnisse der kleinen und mittelständischen Unternehmen innerhalb der Feuerfestbranche im Mittelpunkt.

 

Weitere Informationen unter www.ecref.eu

 


 

Quelle

Mittelstandsförderung im Landkreis Neuwied GmbH . Marktstraße 80 . 56564 Neuwied

 

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