Rückblick auf die 29. Tagung der Ziegeleimuseen
Am 28. und 29. Juni, mit die heißesten Tage in der ersten Jahreshälfte 2026, fand die 29. Tagung der Ziegeleimuseen statt. Ort des Treffens war das LWL-Museum Ziegelei Lage in Nordrhein-Westfalen.
Das Vorprogramm am Sonntag war, nach einer Begrüßung durch den Museumsleiter Willi Kulke, der Freiluftausstellung zur historischen Ziegelproduktion im Werk gewidmet. Diese konnten die Teilnehmer im Rahmen einer Führung über das Gelände und die historischen Produktionsanlagen erkunden. Dabei erhielten sie eingehende Erläuterungen zu den einzelnen Produktionsschritten und Arbeitsstationen Aufbereitung, Formgebung, Freilufttrocknung und Brand im Ringofen. Der Museumsführer nahm Rücksicht auf den Fachhintergrund der meisten Zuhörer und gab viele interessante Details aus der historischen manuellen und maschinellen Ziegelproduktion zum Besten. Beindruckend waren die Schilderungen des harten Arbeitsalltags nicht nur der Setzer und Brennknechte im und auf dem laufenden Ringofen, sondern auch an den anderen Stationen. Faszinierend waren auch die Einblicke in die lokalen Anfänge und Geschichte der maschinellen Ziegelproduktion. Neben den Ausführungen gab es auch praktische Vorführungen. Zwei Mitarbeiter des Museums übernahmen die Rolle von Ziegelschlägern und demonstrierten und erläuterten die Formung von Handstrichziegeln. Allen Lesern, die das Vergnügen noch nicht hatten, sei die Teilnahme an einer solchen Führung empfohlen.
Im Anschluss versammelten sich die Teilnehmer zu einem gemeinsamen Abendessen, das wie auch in den vorangegangenen Jahren eine gute Gelegenheit bot, Kontakte zu knüpfen und zu vertiefen.
Am Montag fand der Vortragsteil der Tagung in der Sonderausstellungshalle statt. Der erste Block war der Erläuterung der neuen Dauerausstellung im Museum Lage gewidmet (vgl. hierzu auch ZI 3/26, Seite 45ff.). Museumsleiter Kulke stellte die Dauerausstellung und ihre lange Entstehungsgeschichte vor. Die Entscheidung für eine neue Dauerausstellung fiel im Jahr 2020, die Entwicklung bis zur Eröffnung nahm sechs Jahre Zeit in Anspruch. Damit einher ging eine umfassende Neuausrichtung des Museums. Das Mittelpunktthema Ziegel sollte um die Querschnittsthemen Bauen, Wohnen, Architektur sowie Stadtentwicklung/Zusammenleben erweitert werden. Mit innovativen Möglichkeiten der Ausstellungsdidaktik wie Gaming sollte ein niedrigschwelliger und unterhaltsamer Vermittlungsansatz gefunden werden. Kulke erläuterte die Kriterien und Methoden, mit denen die neue Dauerausstellung erarbeitet wurde. Eine wichtige Methode bei der Ausstellungsentwicklung war die Entwicklung und Nutzung von Personas, um die wichtigsten Zielgruppen in ihren Neigungen sowie Wünschen zu erfassen und die Ausstellung daran auszurichten. Zum Abschluss skizzierte Kulke die nächsten Schritte: u.a. Evaluation der spielerischen Vermittlung und des Nutzungsverhaltens der Besucher sowie Prüfung, wie dauerhaft die Dauerausstellung ist sowie deren Ausbaufähigkeit.
Im Anschluss waren die Teilnehmer eingeladen, die Ausstellung eigenständig zu erkunden. Das Museumsteam stand für Fragen bereit. Für den Autor dieser Zeilen waren die elektronischen Spiele besonders reizvoll. Insgesamt waren das Interesse und teilweise sogar die Begeisterung der Teilnehmer zu merken.
Nach der Spiel- und sich daran anschließenden Kaffeepause erläuterte Anne Wieland, wissenschaftliche Referentin für Bildung und Vermittlung, wie Spiele als didaktisches Mittel für Museen nutzbar sind. Aufgrund des gesellschaftlichen Wandels haben sich die Erwartungen der Besucher verändert. Sie erwarten heute Beteiligung, Interaktion, individuelle Erfahrungen und selbstbestimmtes Lernen. Das bedeutet für Museen eine Abkehr von objektzentrierten Ausstellungsorten hin zu einem besucherorientierten Lern- und Erfahrungsraum. Erkenntnisse aus der Bildungsforschung unterstreichen diesen Ansatz. So können Spiele u.a. Aufmerksamkeit, Motivation, Problemlösungskompetenz, und nachhaltige Erinnerung fördern. Hinter den Spieleangeboten stecken didaktische Prinzipien wie Selbstwirksamkeit, Niedrigschwelligkeit und Inklusion. Das Ziel ist, die Teilhabe für möglichst viele Besuchergruppen zu ermöglichen. Zum Ende diskutierte Wieland die Vorteile sowie Herausforderungen und Grenzen eines spielerischen Ansatzes: u.a. höhere Verweildauer, intensivere Auseinandersetzung mit Inhalten und Attraktivität für Familien und Schulklassen einerseits, andererseits Balance zwischen Spiel und Inhalt, nötige Ressourcen sowie die Gefahr einer Gamification ohne Inhalt.
Der zweite Block nach der Mittagspause war historischen Ziegeleien und der Denkmalpflege gewidmet. Dr. Mathias Austermann, Stadtheimatpfleger für Dortmund im Westfälischen Heimatbund, berichtete in seinem Vortrag von archäologischen Untersuchungen zu den mittelalterlichen Ziegeleien Westfalens. Der Einstieg in dieses Thema entstand, weil er einen Katalog zu Töpfereien in Westfalen erstellte. Töpferei und Ziegelei fanden im Mittelalter meist in ein und demselben Betrieb. Anhand von Verbreitungskarten mittelalterlicher Töpfereien und Ziegeleien zeigte er, dass Töpfereien erst seit dem 12. Jahrhundert in Westfalen dokumentiert sind. Ziegeleien sind vereinzelt erst ab dem 13. Jahrhundert und in der Fläche erst ab dem 15. und 16. Jahrhundert nachweisbar. Die meisten Ziegeleien vor dem 16. Jahrhundert sind nur aus Erwähnungen in schriftlichen Quellen bekannt. Entsprechend gering sind die verfügbaren Kenntnisse zu Produkten, Tätigkeit und Auftraggebern. Austermann stellte vier relativ gut dokumentierte Beispiele für spätmittelalterliche Ziegeleien sowie deren Produkte näher vor: die städtischen Ziegeleien Coesfeld, Bochum und Dortmund sowie die Ziegelei des Stifts Cappel bei Lippstadt. Es gibt allerdings grobkeramische Fundstücke, die die Verwendung von Baukeramik in Westfalen seit dem 10. Jahrhundert dokumentieren.
Im folgenden Vortrag stellte Ernst Buchow, Geschäftsführer der Bockhorner Klinkerziegelei, das Alte Klinkerzentrum auf dem Gelände der Ziegelei. Er erläuterte dessen Entstehungsgeschichte seit 2014 und die Ausstellung zur 250-jährigen Geschichte der Klinkerherstellung in der Region.
Danach stellten Mitglieder des Vorstands Museum Alte Ziegelei Westerholt e. V. ihr Haus sowie ein aktuelles Projekt vor, die denkmalgerechte Rekonstruktion des Trockenschuppens. Die Herausforderungen sind laut Beschreibung vielfältig. Neben den zu beachtenden Vorgaben des Denkmalschutzes zählen dazu u.a. die Tatsachen, dass der Verein nicht Eigentümer des Grundstücks ist und auch nicht über die rund 200.000 Euro Kapital für die Wiederherstellungskosten verfügt. Um die Finanzierung zu bewältigen, haben die Vereinsvorstandsmitglieder ein Treuhand-Modell entworfen.
Danach waren die Teilnehmer zur Erholung und Abwechselung mit dem Vortragsprogramm zu einer Feldbahnfahrt über das Gelände hin zur früheren Tongrube eingeladen.
Im letzten Vortrag stellte Tomasz Nieruchalski, Vertriebs- und Marketingdirektor des polnischen Ziegelherstellers Heritage Roof Tiles Sp. z o.o., das Unternehmen vor. Dessen Angebot umfasst ein umfangreiches Sortiment an Baukeramik zu Renovierungszwecken, u.a. Dach- und Fassadenziegel, Sonderformate und -formen sowie Fliesen für Boden und Kachelofen. Nieruchalski unterstrich den individuellen Ansatz seines Unternehmens bei jedem Renovierungsprojekt.
Zum Abschluss diskutierten die Teilnehmer den Ort der kommenden Tagung und einigten sich auf das Ziegeleimuseum Westerholt, auf Vorschlag dessen Vorstandes.
